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Innenschön ™

Nein, natürlich kein eingetragenes Markenzeichen ;)

Gemusterter Stoff für den Innenbund, Rock

Das Konzept von „Innenschön“ taucht in meinem Blog immer mal wieder auf. Der Begriff ist eine Eigenkreation und stammt aus einer Unterhaltung, die ich mal mit meiner Mama hatte, in der ich ihr irgendwas über ein Nähwerk erzählen wollte und mich verhaspelt habe.

"Das ist auch mit… innen schön." 
"Mit Innenschön?"

Das blieb hängen. Zuerst nur eine Bezeichnung für eine bewusst ordentlich gearbeitete Innenseite, für kleine optische Details wie ein gemustertes Schrägband oder ein schönes Etikett, die dort auftauchen.

Aber in der Begrifflichkeit steckt noch mehr, eine Philosophie wenn man so will. Ein paar Gedanken dazu.

Motiv auf der Innenseite der Schulterpasse, Karohemd

Dass ich mir besondere Mühe gebe, die Außenseite eines Kleidungsstücks so sauber wie möglich zu verarbeiten, erklärt sich von selbst. Auf der Innenseite könnte ich dagegen ruhig etwas weniger pingelig sein, kleine Schlampereien sieht ja dort niemand. Oder?

Ich sehe sie. Und ich bin nicht „niemand“. Im Grunde bin ich für ein maßgeschneidertes Kleidungsstück die wichtigste Person, die es gibt. Und für die lohnt es, sich auch dort Mühe zu geben. Eine saubere Innenansicht ist nicht nur ein Beweis, dass ich sauber arbeiten kann. Sie ist eine Wertschätzung meiner Person und meiner Arbeit.

Indem ich mir Mühe gebe und etwas nur für mich besonders schön gestalte, baue ich auch eine andere Beziehung zu dem Stück auf. Es wird persönlicher, individueller. Wir teilen quasi ein Geheimnis.

kleine Madonna-Reminiszenz, Jeansjacke

Die Innenseite, die nur ich sehe, ist der private Raum des Kleidungsstücks. Da sind wir beide unter uns. Das kann sehr persönlich sein. Auf der Außenseite präsentiere ich mich, wie ich gerne gesehen werden möchte. Drinnen bin ich ehrlicher. Mehr ich selbst. Fauler vielleicht, nachlässig. Oder vielleicht drehe ich dort auch gerade erst auf, je nach Temperament. Ich nehme den Stoff mit dem kindischen Muster den alle peinlich finden, den ich aber doch so mag als Futter, nicht als Oberstoff. Oder vielleicht (und das bin jetzt ich) stehe ich auf Minimalismus, habe aber trotzdem hin und wieder Dekoideen die ich irgendwo ausleben möchte, ohne dass es mir zu viel oder zu bunt wird.

Eingefasste Nahtzugaben, Dufflecoat

Generell kann man vielleicht sagen, die Innenseite meines Kleidungsstücks ist ein wenig wie mein Schlafzimmer. Besucher kommen dort in aller Regel nicht hin. Trotzdem richte ich es schön ein. Nicht um andere zu beeindrucken, sondern vor allem für mich.


Disclaimer: Das ist meine Philosophie, sind meine Prioritäten. Ich will niemanden verurteilen, der anders arbeitet. Ich neige zum Perfektionismus, das ist mir bewusst. Das müsst ihr euch nicht zum Vorbild nehmen. Ist euch egal, wie etwas von innen aussieht? Legitim! Schlampt so viel ihr mögt, näht so ordentlich oder chaotisch wie ihr wollt oder könnt. Es sind eure Sachen. Nur ihr bestimmt darüber.

2 Antworten auf „Innenschön ™“

Ich finde dein Innenschön immer total beeindruckend und auch den Gedanken, die Kleidung außen eher „clean“ zu lassen und innen verspielt, total toll. Ich selbst habe dafür leider überhaupt nicht die Geduld und innen wird viel geschlampt.
Hierber „in wenig wie mein Schlafzimmer. Besucher kommen dort in aller Regel nicht hin. Trotzdem richte ich es schön ein.“ musste ich dann auch sehr lachen, denn bei mir landet alles, was irgendwo rumfliegt, ins rumpelige Schlafzimmer. Da schlafe ich ja nur…

Hallo Netti,

deine Philosphie, dass eine schönen Innenseite eine Wertschätzung deiner Person bzw. deiner Arbeit ist, kann ich gut nachvollziehen.
Im Hinterkopf schwingt bei mir hauptsächlich der Respekt für das Kleidungsstück an sich mit. Man steckt viel Arbeit rein und wenn es fertig ist, unterstützt es hoffentlich meine Ausstrahlung und Persönlichkeit und wird mich für eine lange Zeit begleiten/bekleiden (*hihi*). Es soll nicht nur eine Hülle sein, sondern ein hübsches Gesamtkonstrukt, welches das Kleidungsstück langlebiger macht und abrundet.

Aber sich dort ein wenig kreativ auszulassen, daran hab ich noch garnicht so gedacht. Das werde ich das nächste mal probieren!

Dieser Anspruch verfestigte sich natürlich mit steigender Näherfahrung. Ich kann mich noch gut an das Patchworkfutter der Motojacke erinnern und wie vor Jahren vorm Rechner saß und dachte: „Alter Verwalter, es ist nur das Futter, kein Stress!“

Welch schöne Philosophie.

Viele Grüße
Franziska

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