Und N. trat zum Volk und sprach

Und N. trat zum Volk und sprach:
„Seht mein jüngstes Nähwerk an!
Ein Kleid, wie man erkennen kann
und oliv der Farbe nach.

Seht auch mit Lederpasse
den Blazer. Und ein Täschchen.“
Es grinste und frohlockte N.
und schnitt eine Grimasse.

*räusper*
Ja, ich habe ein Gedicht gemacht für meine Klamotten. Weil ich mich so freue, dass ich alle drei Teile rechtzeitig fertig bekommen habe. Und ja, auch weil ich albern bin. ;)

Also, lassen wir den Worten mal… Worte folgen. Und Bilder:

Der Blazer hat jetzt Ärmel. Die habe ich etwas anders verarbeitet als im Heft. Die klassische Methode, die auch Burda immer verwendet sieht ja vor, den Ärmel bzw. Futterärmel in Futter und Oberstoff getrennt einzusetzen, dann durch irgendeine offene Stelle zwischen Futter und Oberstoff zu greifen und die beiden Lagen am Ärmelsaum zu verbinden. Dagegen ist grundsätzlich nichts zu sagen, ich mache es aber folgendermaßen: Bei der ärmellosen Jacke werden Futter und Oberstoff am Armausschnitt aufeinandergeheftet und wie eine Lage behandelt. Dort nähe ich dann den Oberstoffärmel ein. Danach nähe ich Futter- und Oberstoffärmel am Ärmelsaum zusammen und den Futterärmel schließlich von Hand mit untergeschlagener Kante in das Armloch ein.

Handnaht Ärmel

Die Vorteile dieser Methode? Kann ich gar nicht so genau sagen. Ich habe das Gefühl, mehr Kontrolle gerade über den nervigen Futterstoff zu haben, aber das ist vielleicht auch nur Einbildung. Man muss keine Öffnung im Futter lassen und es kann sich auch nicht verschieben, weil es am Armausschnitt befestigt ist. Und ich spare mir, einen Futterärmel in Futterstoff einzunähen (ätz!). Das mag für Leute die Handnähte ungern machen nicht die Methode der Wahl sein, wofür ich durchaus Verständnis habe. Aber ich mag Handnähte, sie sind meditativ, erlauben Verarbeitungen die sonst nicht oder nur schwer möglich sind und geben einer schnöden Klamotte einen Hauch Couture.

Wenn man aber dumm ist, näht man die Futterärmel dabei erst mal falsch an (rechts und links vertauscht) und wundert sich warum sie nicht passen. Mein Mann dazu: „Das musst du doch nicht neu machen, ist doch nur innen, das sieht doch keiner.“ :D Schließlich hat aber jeder Ärmel und jedes Futterteil seinen Platz gefunden und der Blazer ist fertig. Nein, das verdient ein Ausrufezeichen: Der Blazer ist fertig! :D

Blazer Frazer
(Ärmel zerknickt weil hochgekrempelt gewesen… muss überhaupt noch mal etwas gebügelt werden)

Er sitzt wirklich gut, die Silhouette ist schön und sieht sicher auch zu Skinnyjeans toll aus. Gut gemacht, Cut! :) Das einzige was ich in Zukunft ändern würde, ist vielleicht noch eine Innentasche einzuplanen. Habe ich hier aus Zeitgründen weggelassen, auch wenn ich weiß, das sie mir fehlen wird.
Was mir jetzt erst auffällt: Sowohl das Kleid als auch der Blazer haben diese Schulterpasse statt einer typischen Naht auf der Schulter. Das war nicht beabsichtigt und soweit ich beurteilen kann auch wirklich zufällig. Ist aber irgendwie schön, dass sie so „zusammenpassen“.

Allgemeine Unordnung mit Glitzer
Allgemeine Unordnung auf dem Nähtisch

Apropos Kleid, der aktuelle Stand hier ist auch sehr gut. Ich habe einen Meter khakifarbenen Viskosejersey gekauft. Daraus habe ich einen einfachen Unterrock aus zwei Trapezen gemacht. Oben so weit wie der Saum vom Oberteil, unten 150cm im Umfang. Diese Saumweite hat sich schon beim Jerseykleid bewährt (Übrigens, das hatte ich zwischenzeitlich auch im Verdacht, als Unterkleid zu taugen. Allerdings sind die Armausschnitte dort etwas schmaler, so dass man es minimal hervorblitzen sehen hätte. Aber für eine last-minute-Lösung hätte das auf jeden Fall getaugt).

Rock ankräuseln

Um Oberteil, Rock und Unterrock zu vereinen habe ich dann den Chiffonrock am Bund eingekräuselt und mit dem Oberteil zusammengenäht (mit vielen Heftmarkierungen um die richtige Höhe und Verteilung der Weite hinzukriegen). Dann in einem zweiten Schritt den Jerseyunterrock auf der selben Nahtlinie angenäht. Die Nahtzugabe vom Oberteil habe ich dabei extra breit gelassen, um daraus einen Tunnel auf dem Unterrock zu nähen wo das Gummiband eingezogen wird. So ist von außen nichts zu sehen, aber die Taille kräuselt sich wunderbar. Ein stabiler Gummi war in diesem Fall auch wirklich nötig, da der Viskosejersey doch ein ziemliches Gewicht hat und des Kleid ansonsten deutlich nach unten gezogen hätte.

Gummizug

Mit dem fertigen Gummizug blieb das ganze Kleid einen Tag (eher länger) auf der Puppe, damit sich der Rock etwas aushängen konnte bevor ich ihn gesäumt habe. Wichtig dabei: Die richtigen Schuhe anziehen um die Rocklänge festzulegen. Meine haben einen relativ hohen Absatz, deswegen darf der Rock nicht zu kurz werden.

Kleid noch ungesäumt Kleid
(Hier noch ungesäumt)

Und um das Outfit zu komplettieren habe ich noch Schmuck gekauft. Ein matt goldfarben und grafisch schlichter Ring, ziemlich genau was ich mir vorgestellt hatte. Der passt in seiner Oberflächenbeschaffenheit gut zum Ehering und von der Farbe zum Armband und den Pailletten. Und auch für den Ehering habe ich eine -wie ich finde- tolle Lösung gefunden. Ich habe ein paar schmale dunkel-silberfarbene Ringe die man gut dazu kombinieren kann (das Titan ist ja auch etwas dunkler als klassisches Silber oder Weißgold). Im selben Stil habe ich jetzt noch zwei goldfarbene gekauft, so kann ich dort auch Gold und Silber mischen.

Schmuck dazu

Das vollständige Outfit mit allem drum und dran (und mit hoffentlich hübschen Haaren ;)) gibt’s dann nach der Feier. Ich bin ein bisschen stolz, dass ich mein Pensum ohne großen Stress oder Nervenzusammenbrüche geschafft habe und froh, dass alles so geklappt hat wie ich erhofft hatte. Es hat natürlich sehr geholfen, das keins der Teile über die Maßen aufwändig war oder große Herausforderungen an die Passform gestellt hätte.
Als Fazit kann ich sagen, dass es mir sehr viel Spaß gemacht hat, an einem kompletten Outfit zu arbeiten, nicht wie sonst immer nur an Einzelteilen. Auch wenn keins der drei Teile nicht auch anders kombiniert werden kann (und soll), eine Kohärenz ist ja vorhanden und hat sich quasi wie ein roter Faden durch die ganz unterschiedlichen Arbeitsschritte gezogen. Das war auf jeden Fall mal eine neue Erfahrung und hat mir durchaus Lust gemacht auf mehr abgestimmte Projekte.

8 Gedanken zu „Und N. trat zum Volk und sprach

  1. Hach, das Kleid ist wirklich ein Traum. Total interessant anzuschauen.
    Viel Spaß beim Ausführen!

    Gibt es dann ein WHNA? mit dem Blazer? Auf der Puppe wirkt er irgendwie „boyfriendsytle“mäßig. Täuscht das?
    (Ja, ich habe mir beim wip nur die Bilder angeguckt… ich gestehe alles! O:-) )

  2. Ein tolles Outfit!
    Mir gefällt der Blazer besonders gut und ich finds toll, hier noch eine weitere Beschreibung für das Füttern zu lesen =)

    Bin schon gespannt auf getragene Bilder!

  3. Oh, wie wunderschön, das alles geworden ist!
    EIn tolles Outfit! Und die Schmuckproblematik hast du auch toll gelöst :.)

    Ich würde ja auch gerne mal ein ganzes Outfit nähen, aber ich befürchte, ich finde zur Zeit höchstens die Zeit für ein schnelles Schirt …

    Ich freue mich auf Tragebilder! Und viel Spaß auf der Hochzeit!

  4. Herzlichen Glückwunsch zum Outfit, N.!

    Stilistisch ist es absolut nicht meins, aber ich glaube, dass du darin toll aussehen wirst bzw. ausgesehn hast. Außerdem freu ich mich immer wieder, etwas über Verarbeitung lernen zu können. Ärmel mit Futter sind bei mir immer noch so ein Thema, vor dem ich mich gern drücke.

    Und das Gedicht ist ja wirklich herzallerliebst. :D

  5. wie hast du denn jetzt eigentlich beim oberteil die transparent-problematik gelöst? chiffon doppelt genommen? kann auf dem foto lediglich erkennen, dass du das oberteil nicht auch mit dem jersey gefüttert hast…

    und wie hast du das oberteil verarbeitet? beide lagen (zumindestens nehme ich jetzt mal dreist an, dass beim oberteil nicht nur die eine lage chiffon ist…) zusammen als eine lage gekräuselt (an der passe-naht)? oder die untere glatt und nur die obere gekräuselt?

    fragen über fragen. ;)

    1. @eli: Genau, ich habe das Oberteil aus zwei Lagen Chiffon gemacht, das reicht zumindest bei diesem Stoff hier für ausreichende Blickdichtigkeit. Ich hab die beiden Lagen am Arm- und Halsausschnitt verstürzt und dann wie eine verarbeitet, also auch gemeinsam an die Schulterpasse gekräuselt. :)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Verwandte Beiträge

Beginne damit, deinen Suchbegriff oben einzugeben und drücke Enter für die Suche. Drücke ESC, um abzubrechen.

Zurück nach oben