Paillettenmassaker und Papierschlacht

Ich habe bisher noch nie mit Paillettenstoff gearbeitet, insofern war ich ein klein wenig nervös, das goldene Geglitzer anzuschneiden. Ich habe zur Sicherheit nicht meine gute Stoffschere verwendet, sondern eine andere scharfe. Davon abgesehen, dass wirklich *alles* voller Paillettenreste war, lies sich das Zeug aber ganz anständig verarbeiten. Nähen mit der Maschine war kein Problem, ich habe zwar extra langsam gemacht, aber dass das so einfach geht hat mich doch überrascht. Gut, die Pailletten sind hier auch sehr klein, vielleicht macht das einen Unterschied.

Paillettenstoff Zuschnitt

Durch eine Fehlplanung meinerseits musste ich dann doch die meisten Kanten mit der Hand nähen. Etwas langwierig, aber dabei konnte ich schön das neue Amon Amarth Album durchhören. Schließlich die Seitennähte noch geschlossen und wir haben ein Oberteil mit Glitzerschultern. Bling!

Glitzerschultern

Dann ging es tatsächlich mal um den Blazer. Meine Erfahrungen mit dem Schnitt aus dem Cut-Magazin, im Vergleich zu Burda:

  • Der Schnittbogen ist im Heft eingeklebt, den muss man vorsichtig lösen, damit das Papier nicht einreißt (guess how I know ;)).
  • Der Schnittbogen ist aus ganz dünnen Seidenpapier, auch den muss man vorsichtig behandeln.
  • Die Schnitte sind inkl. 1cm Nahtzugabe.
  • Größen zur Auswahl sind 34 – 42, die Maße erscheinen mir allerdings minimal realistischer als bei Burda.
  • Auch die fertigen Maße der Kleidungsstücke sind ausführlich angegeben, das macht die Auswahl der richtigen Größe viel einfacher.
  • Beim Blazer gibt es für Futter und Oberstoff verschiedene Schnittteile, weswegen der Schnitt eine ziemliche Papierschlacht ist. Zum Teil unterscheiden sie sich nur in der Länge, was man auch mit einer Markierung auf dem Schnittmuster hätte lösen können, ohne zwei Teile daraus zu machen. Zum Teil sind es aber auch tatsächlich minimal andere Schnitte, was wiederum ziemlich professionell ist.
  • Das Navigieren auf dem Schnittbogen fand ich persönlich etwas umständlicher als bei Burda, weil man die zusammengehörenden Teile nicht direkt erkennt.
  • Die Mengenangabe zum Stoff ist eher knapp als großzügig bemessen und sollte sowohl in Länge als auch Breite beachtet werden.

Papierkrieg

Nachdem ich die Stoffe gewaschen und gebügelt hatte ging es an den Zuschnitt. Nicht meine liebste Beschäftigung, aber muss ja gemacht werden. Noch mal zur Materialangabe: Im Heft steht man braucht 1,80 auf 1,50m Stoff, und das ist auch ziemlich ernst gemeint. Mit einem Stoff der nur 1,40m breit war musste ich etwas zirkeln. Aber ich hatte zum Glück 2m gekauft, also ging es gut aus.

Zuschnitt

Und bevor ich die Nähmaschine anwerfe habe ich mir die Verarbeitung des Blazers im Heft noch mal genau angesehen und nachvollzogen. Das ist alles ein bisschen Anfänger-optimiert (was nichts schlechtes ist!), ich werde in ein paar Details davon abweichen (Bügeleinlage halte ich zB für ziemlich sinnvoll im Kragen). Was Cut allgemein angeht, bin ich ein wenig hin und her gerissen. Das Heft ist insgesamt zu hipstermäßig für meinen Geschmack, aber die tatsächlichen Näh-Inhalte sind solide gemacht und gut und ausführlich erklärt. Es ist teilweise wirklich witzig und originell, ich mag die frische Themenauswahl, aber es ist halt auch viel Schau und Optik und das wirkt teilweise bemüht modern. Grundsätzlich finde ich es gut, dass es Alternativen zu den „klassischen“ Schnittmusterheften gibt, hier wird eben dem aktuellen Trend zum Selbermachen Tribut gezollt, deswegen muss man mit einem gewissen Hipsterfaktor vielleicht einfach leben.

Und am Ende des Tages bleibt ein Haufen Schnittteile, der ungeduldig mit den Füßen scharrt.

Schnittteile

*scharr, scharr*

8 Gedanken zu „Paillettenmassaker und Papierschlacht

  1. Das sieht ja jetzt schon wunderschön aus! Der Blazer hat es mir auch total angetan, zur Zeit versuche ich, an das Magazin heranzukommen. Deswegen bin ich schon sehr gespannt, was du alles wie und warum anders machen wirst als in der Anleitung ;)

  2. Ich bin gerade sehr froh, dass ich nicht die einzige bin, die diese hippe Aufmachung als ein bisschen – wie nennst du das – „bemüht“ warnimmt.
    Das selbe Phänomen ist mir beim Redesign von Kleiderkreisel und DaWanda aufgefallen.
    Aber ich stimme dir auch zu, dass man so immerhin einen etwas „jüngeren“ Ansatz an das ganze DIY-Thema hat – ich hab mir über die Lochkamera-Anleitung mit Fotografiertipps, die in der aktuellen Ausgabe drin ist, einen Keks gefreut. ^^

    Und ich will jetzt auch was mit Pailettenstoff nähen!
    Das glitzert so schön! :)

  3. Natroooon, verdammt noch mal, wann machst Du das alles immer?
    Und dann sieht das auch noch so fein aus…

    Ich freu mich auf jeden Fall schon, das Kleid in echt zu sehen – gehe mal davon aus, dass ich an die richtige Hochzeit Anfang Juli in Süddeutschland denke. ;)

  4. Oh, wie spannend. Ich fiebere richtig mit :.)

    Und danke für den Einblick in das CUT Schnittmuster. Ich habe hier 4 Hefte aus einem Abo, aber an die Schnitte habe ich mich noch nie herangetraut, weil ich dachte, die Sachen sind sicher zu rudimentär (und eventuell nicht figuroptimierend). Aber scheinbar haben die CUT Leute sich etwas dabei gedacht. Dann darf es auch gerne einfach sein :.D

    *hefterauswühl*

  5. Das wird bestimmt total schön aussehen, vor allem mit deinen blonden Haaren!

    Zur Schmuckfrage ist mir irgendwie spontan ganz schlichter dunkler Holzschmuck in den Sinn gekommen, Ohrringe/Stecker und ein breiter Armreif reicht ja… dann gibts kein zusätzliches Metall, es beißt sich nicht mit deinem Ehering und zu dem grün stell ich es mir schön vor.

  6. Ja, die Cut. Irgendwie mag ich sie, alleine schon weil sie mal alles anders macht als der Rest. Allerdings sind die Schnitte oft nicht mein Ding und nur für die Aufmachung und Fotostrecken so viel Geld zu zahlen, schreckt mich dann schon ab und an ab (hier in der Schweiz kostet sie ja nochmal ne Ecke mehr). Sonst finde ich Hipster-Zeitschriften ab und an ganz cool, hol mir auch alle paar Monate mal die Dazed&Confused, auch wenn ich es jetzt alles nicht regelmässig brauche.
    Und wie Caro landete die letzte Ausgabe vor allem wegen der Pinhole-Kamera bei mir im Regal. Von den Schnitten hab ich noch nicht so viel gemacht, aber ich fand es sehr cool, dass in der letzten (also aktuellen) Ausgabe ein Herrenhemd drin war. Denn auch die Zeitung ist ja nicht auf dieses Nähtanten-Image ausgerichtet, auch wenn im Endeffekt vielleicht nicht so viele Kunden männlich sind, der Ansatz gefällt mir.
    Hab übrigens vor ein paar Tagen die französische Ausgabe von Shopping-Queen geguckt („Les Reines du Shopping“, wie naheliegend), Thema „Hochzeit der besten Freundin“ und gewonnen hat eine mit locker sitzendem schlichten Kleid mit Pailletten auf den Schultern. Musste gleich an dich denken (http://www.m6.fr/emission-les_reines_du_shopping/photos-le_shopping_de_jennifer-63240/ die Schultern kann man nur auf einem Bild ganz leicht erkennen)

    1. @Liz: Ja klasse, dann sehen wir uns :)

      @Posion Ivy: Das mit dem Holzschmuck ist eine tolle Idee. Ich habe mich jetzt auf Goldschmuck eingeschossen, aber einen Ring aus dunklem Holz hätte ich sogar gehabt. Merk ich mir fürs nächste Mal. ;)

      @ette: Das ist lustig :D (Wobei ich an dem Outfit schon wieder viel zu meckern gehabt hätte. „Dunkle Strümpfe!? Doch nicht zu diesem Kleid!“ Ich wäre die übelste Erbsenzählerin als Jury… :D)

      @alle: Danke für eurer Interesse, das motiviert mich enorm! :)

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