Eine WGT-Klamotte ist keine WGT-Klamotte

Über meinen WGT-Ausflug habe ich ja berichtet, jetzt gehts mal ganz klassisch um die Klamotte dazu. :D
Wir hatten das Wochendende als entspannten Kurzurlaub geplant. Ganz im Gegensatz zu den üblichen WGT-Vorbereitungen. Da habe ich bisher auch immer in letzter Minute rotiert und hektisch noch die letzten Kleinigkeiten erledigt. Diesmal also ganz ohne Stress.

Aber als dann das Hotel gebucht war und die Planung konkret wurde stellten sich auch mir die bekannten Fragen: Was ziehe ich eigentlich an? Was packe ich ein? Was für ein Wetter werden wir haben? Welche Schuhe? :D

Ein Teil habe ich ja schon erwähnt, das wollte ich fertig nähen. Habe ich auch, so eine schwarze Sarouelhose. Aber darum solls hier eigentlich gar nicht gehen. Nachdem ich nämlich das Ding fertig hatte, klickte mein Hirn in den WGT-Modus und fing an, Blasen zu schlagen. :D
Ich wollte unbedingt noch was „richtig neues“ nähen. Was speziell zu diesem Anlass. Irgendwas kleines. Und wenn sich diese Idee erst mal festgesetzt hat… Also habe ich in Erinnerung an diverse Mäntel und Jacken die ich zu meinen WGT-Outfits immer gemacht habe (und für die es oft zu warm war) diesmal eine Art Shrug oder Weste entworfen.

Samurai-Weste

Das Design ist etwas übermotiviert für die kurze Zeit. Der Grundschnitt ist der von meiner Folkloreweste, den habe ich entsprechend zerlegt und verändert. Meine Inspiration war hierbei u.a. die Givenchy Haute Couture Spring/Summer 2011 Kollektion (die Frau von Nöten hier verlinkt hat). Ein TRAUM! Ich habe selten etwas derartig beeindruckendes in Stoff gesehen. Mir fehlen die Worte um zu beschreiben was mir daran so gefällt, aber sie ist auf so viele Arten wunderbar und prächtig, stolz und endlos schön. Ich maße mir nicht an, etwas vergleichbares zu schaffen, es schwingt in meinen Gedanken nur ein wenig das Flair dieser Kleider mit.
Vor allem die aufwändige Verarbeitung der farbigen Rückenteile hat es mir angetan, etwas ähnliches wollte ich also auch versuchen. Ich habe dann eine ganze Menge Entwürfe gemacht von denen mir keiner richtig gefallen hat, bis endlich der zündende Funke kam: Origami mit Stoff. Passt zum Look, sieht man in letzter Zeit öfter und gehört zu den Dingen die ich sowieso unbedingt mal ausprobieren wollte. Origami habe ich schon als Kind gemocht, das hat sowas räumlich-geometrisch-mathematisches, das mich schon immer angesprochen hat.

Samurai-Weste

Also habe ich mit Papier so lange rumprobiert, bis ich eine Faltung hatte die den gewünschten Effekt ergeben hat. Das dann noch mal mit Stoff ausprobiert, klappt, sieht cool aus, nehm ich. So habe ich das Mittelstück der Weste gestaltet, das ist dann irgendwo zwischen Givenchy und Wirbelsäulen-Origami.
Der Rest der Weste sollte auch diesen kleinteiligen Look haben, deswegen habe ich das aus lauter geschwungenen Streifen und Einzelteilen zusammengesetzt. An der Schulter bleibt dabei ein „Loch“ offen, das mit Tüll hinterlegt ist. Die Stoffe haben verschiedene Texturen, das unterstützt das Design noch weiter.

Von vorne sieht sie nach nicht viel aus…
Samurai-Weste

…aber von hinten!
Samurai-Weste

Die Streifen die an den Schultern überstehen habe ich brute force zusammengefummelt, das hätte man eleganter machen können. Mit mehr Zeit.
Samurai-Weste

Da sieht man das „Loch“ mal besser
Samurai-Weste

Auf der Rückseite ragt einer der Streifen etwas über die Kante hinaus. Ein kleines Detail nur, aber eins das ich sehr mag.
Samurai-Weste

Ein Detailblick auf das Origami
Samurai-Weste

Und sogar gefüttert. Da habe ich die Kanten rund um die Tüll-Löcher von Hand festgenäht. Kurz vorm Losfahren :D
Samurai-Weste

Das ist sie also, meine Samurai-Weste. Da kommt viel zusammen von dem was mich tief drinnen und immer wieder begeistert und anrührt. Insofern ist dieser Entwurf sehr natronesk, wie ich finde. Und bis auf ein paar Kleinigkeiten bin ich vollauf zufrieden wie gut das geklappt hat. Sowohl das Design als auch die Umsetzung haben überraschend reibungslos funktioniert, was ich wirklich nicht erwartet hatte. Einer der Stoffe war etwas unkooperativ und ein paar Stellen hätte man ordentlicher machen können. Aber für die Kürze der Zeit kann man da nicht viel meckern.

Und auch hier treffe ich wieder auf das alte WGT-Problem. Ich fotografiere andere Leute und habe am Ende keine richtigen Fotos von meinen eigenen Outfits. Immerhin diese hier:

Mit Soda im Brunnen..
Samurai-Weste

..und am Brunnen
Samurai-Weste

Aber die restliche Zeit hatte ich tatsächlich auch Schuhe an :D
Samurai-Weste

14 Gedanken zu „Eine WGT-Klamotte ist keine WGT-Klamotte

  1. Das ist mein allererster Kommentar in einem Blog überhaupt, aber ich musste dir einfach sagen, dass ich das Ding einfach absolut genial finde!! Gott, ist das cool :-) Ich hätte nie gedacht, dass ich das über Etwas sagen würde, was mich von hinten irgendwie an meinen Snowboard-Rückenpanzer erinnert.. :-)

  2. Oh man, die Jacke/Weste irgendwas ist wirklich verdammt cool!
    Und passt unheimlich gut zu dir!

    Magst du vielleicht noch mal erklären, wie du bei der Schnitterstellung des Rückenteils vorgegangen bist?
    Ich kann mir so gar nicht vorstellen, wie man da anfangen und vorgehen soll!

    1. @Goldkind: Meinst die verschiedenen Streifen? Da habe ich mir den Schnitt vom Rückenteil noch mal auf Packpapier abgezeichnet und an die Puppe gepinnt und dann einfach so lange draufgemalt bis ich mit der Anordnung zufrieden war. Dann die einzelnen Teile noch mal abgezeichnet, ggf etwas angepasst und ich hatte meine neuen Schnittteile. Ziemlich straightforward eigentlich :)

  3. Schlicht und einfach: Wow!
    Wieviel Zeit hast du insgesamt investiert? Also abgesehen von Ideenfindung…aber Schnitt basteln, nähen etc.?

  4. Die Weste ist sowas von genial. Die Struktur, die Stoffe, der Schnitt, das überstehender Streifen Detail, einfach nur wahnsinn. Sah live noch beeindruckender aus als auf den Fotos. Ich liebe sowieso dieses Plastische, Strukturbehaftete…
    Erstaunlich, dass man dann doch immer in ich mach auf den letzten Drücker noch irgendwas Stimmung gerät. Wollte ich dieses Jahr eigentlich auch nicht XD

  5. Der Wahnsinn. Und so Natron. Faszinierend, wie gut der Stoff in Origamistellung bleibt, der ist doch nur an ganz wenigen Stellen fixiert, oder? Und hinbügeln kann man doch da auch nichts oder?
    Und das in zwei Tagen – ich zieh wieder einmal den Hut. Die Idee zu haben und das dann auch noch umzusetzen mit diesem Ergebnis – super!

    1. @Kathi: Da staune ich auch etwas drüber. Die Querfalten habe ich kräftig eingebügelt, alles andere ergibt sich dann mehr oder weniger daraus. Ich hab sie beim Transport zwar extra pfleglich behandelt, aber dass das so schön bleibt hätte ich nicht erwartet. Das ist ein ganz einfacher Batist, nicht mal mit Stärke behandelt. Wie ich das jemals waschen soll, ist allerdings noch die große Frage :D

  6. Super cool! Irgendwie schlicht, obwohl es das gar nicht ist. Sowas mag ich.
    Ich habe mal für eine Semesterabschlußprüfung ein Kleid aus einer Origamifaltung gemacht.
    Versucht hatte ich mich zu Beginn auch mit diesen kleinen Dingern, die du gemacht hast, aber ich war zu blöd die überhaupt zu Falten. ;-)
    Eine Kommilitonin hat damit aber ein Kleid gemacht.

    LG,
    Gift

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