Dem eenen sin Uhl

Jareth, die Eule

Da ist wieder eine. Eine Eule. Ein immerwährendes und wachsendes Projekt das mir sehr am Herzen liegt. Weil das sowohl Kunst als auch Handwerk ist. Und weil der Prozess in dem ein Nähprojekt einen Charakter und einen eigenen Sinn entwickelt so mysteriös und faszinierend ist. Jedesmals habe ich ein wenig das Gefühl, die Eule spricht zu mir und wählt selber die Materialen und Verzierungen aus die zu ihr passen („Nicht diese Farbe, bist du denn blind?!“ :D). Und jede ist anders und ich liebe jede einzelne davon, auch die die in die Welt hinaus geflogen sind (was mir zugegebenermaßen nicht so ganz leicht gefallen ist).

Jareth, die Eule

Das hier ist die Eule die ich im Rahmen eines Give-Aways für Lilienkind gemacht habe. Ich weiß, das ist ziemlich lange her. Aber immerhin habe ichs nicht völlig vergessen sondern komme meiner Schuld wenn auch verspätet nach. Manchmal ist halt einfach keine Zeit für Eulen. Da ich aber wusste, dass Lilienkind auch beim Burgtreffen sein wird, habe ich mir das dann als Termin gesetzt und ihr die Eule vergangenes Wochenende endlich überreichen können.

Also, falls ich noch mal was verschenke… es kann etwas dauern ;)

Die Vorgabe war eine Eule in der Art wie der weiße Mantel des Goblin-Königs Jareth aus dem Film „Die Reise ins Labyrinth“. Hier sieht man die entsprechende Szene.

Meine bisherigen Eulen waren alle eher kleine Täschchen, aber das hat diesmal nicht gepasst, da hätte ich mich zu sehr mit der Ausführung einschränken müssen. Deswegen ist diese Eule eine Umhängetasche geworden. Ich hoffe sie ist immer noch praktisch genug um sie tatsächlich auch mal zu benutzen und fusselt nicht alles voll ;)

Jareth, die Eule

Die Materialien hatte ich alle da. Teilweise habe ich die Stoffe mit Tee gefärbt. Und auch das Stickgarn. Das hat sogar einen leichten Farbverlauf, was ich total toll finde.

Jareth, die Eule

Der Schnabel ist ein fossiler Haifischzahn, den ich mal zu einem Anhänger umbauen wollte, aber hier passt er so viel besser (als ich die Beschreibung gelesen hatte wusste ich sofort, dass es nur dieser Schnabel sein kann!). Und die Perlen (goldene und weiße) haben sich quasi organisch dazu ergeben. Wenn sich das Ganze langsam zusammensetzt spürt man richtig was passt und was noch muss, jedenfalls geht es mir so.

Jareth, die Eule

Sobald sie Augen und damit Charakter hat scheue ich mich etwas davor Nadeln in ihr Gesicht zu stechen. Auf der anderen Seite ist es gut die Augen und das Gesicht früh fertig zu haben, weil die Persönlichkeit dann den Rest der Arbeit „lenken“ kann. Und während ich daran herumsticke kann ich stumme Zwiesprache mit ihr halten.

Apropos Augen. Zuerst hatte ich perlenfarbige, die waren schon sehr schön, aber dann habe ich dunkle ausprobiert und da hat es einfach gefunkt. Die schwarzen Perlen habe ich auch extra noch mal lackiert, damit die Augen schön glänzen. Und damit sah sie plötzlich so unglaublich lebendig aus. Wie eine Schleiereule.
Und das ist zwar eher zufällig aber passt wunderbar zum Thema, denn zu Beginn des Films verwandelt sich Jareth aus einer Schleiereule als er Sarah besucht. (Hier im Trailer ganz am Anfang gleich)

Das schöne an dieser Art Augen ist auch, dass man die Eule in immer wieder andere Gemütszustände bringen kann indem man die Position der Lider verändert. Schlafende, misstrauische, weinerliche, müde, aufmerksame, fragende, ironische, zwinkernde, skeptische oder auch bekiffte Eule. :D

Jareth, die Eule

Den „Bauch“ habe ich mit einem spinnenwebfeinen Netz überzogen (und zur Sicherheit, damit man nicht dauernd hängen bleibt noch mit Stickerei gesichert). Ich weiß zwar nicht welchen Stoff Lilienkind gemeint hat, aber ich denke das dürfte der Beschreibung nahekommen: „Es gibt doch so einen Stoff, der fast baumwollig wirkt, aber total dünn und matt ist und weich und aussieht, als wären da Fäden obendrauf, fast als wäre der von Adern durchzogen.“

Jareth, die Eule

Die Flügel und die „Maske“ habe ich mit der Maschine gequiltet, das hat mit am meisten Spaß gemacht und ich mag wie schön plastisch die Muster sind. Hier sieht man das an den Flügeln noch mal ganz gut. Überhaupt ist das Gesicht schön dreidimensional geworden, durch die Augen und den Schnabel.

Das Futter ist ganz schlicht und cremefarben, von dem schönen getupften Futterstoff den ich eigentlich vorgesehen hatte war leider nicht mehr genug übrig. Aber dafür gibt es ein goldenes Schablonenmotiv mit einem neu entworfenen Eulen-Design und einer Widmung.

Den Träger habe ich aus vier Stoffstreifen geflochten. Innen gibt es noch eine Schlaufe und einen Knopf um die Tasche zu schließen und natürlich ist auch diese Eule nicht komplett ohne den charakteristischen Druckknopf unter dem Schnabel. Tatsächlich hat keine bisher ohne „die Klappe gehalten“ :D

Jareth, die Eule in Arbeit

Ich muss sagen, zwischenzeitlich hat mich das schlechte Gewissen doch arg gequält und ohne den Burgtreffentermin hätte ich das vermutlich noch länger aufgeschoben. Aber wenn ich dann tatsächlich dran gearbeitet habe, habe ich das auch sehr genossen. In Sticken, Schablonieren und Handnähen kann ich schnell richtig aufgehen. So dass ich gar nicht merke wie viel Zeit vergeht und die Gedanken so meditativ vorbeiziehen.

14 Gedanken zu „Dem eenen sin Uhl

  1. Oh Gott! Oh Gottogottogott! Ist die toll! Liebe auf das erste Blinzeln. Normalerweise neige ich nicht zu Gefühlsausbrüchen, aber hier scheint mir einer angebracht. Ein Gef-Uhls-Ausbruch, man verzeihe mir den Kalauer. Aber erstens liebe ich Eulen (vor allem Schleiereulen, trotz ihres gruseligen Gekreischs) und zweitens ist diese hier wieder mal ein Meisterstück der Detailverliebtheit. Von der Materialauswahl bis zu den gequilteten Flügeln. Du siehst mich eine dicke fette 10,0-Tafel hochhalten.

  2. Ich erinner mich noch gut an deinen Giveaway-Ausruf, es waren wirklich viele schöne kreative Ideen dabei und es hat Spaß gemacht, eine Eule zu brainstormen.

    Super schönes Tier, toller Gesamteindruck und mal sieht die Liebe zum Detail die ich an deinen Projekten immer besonders schön finde. Die kleinen Perlen und die gestickten Federn. Und die verstellbaren Augen.
    Wirklich toll :)

  3. Wahnsinn! WAHNSINN!!! Die Eule ist so wunderschön geworden. Dass sie Charakter hat, steht außer Frage, das sieht man an den aussagekräftigen Augen.
    Sowas detailverliebtes hab ich selten gesehen.
    Da hast Du Dir ja wirklich eine höllen Arbeit gemacht, die jede Sekunde wert war….Toll toll toll!!!

  4. Boah Natron, die ist ja unglaublich schön geworden! Der Hammer!

    Ich könnte die gar nicht benutzen, aus Angst dass ich ihr aus Versehen ein Federchen krümmen könnte. Aber weil ich trotzdem wollen würde, dass alle sie sehen, würd ich sie immer in einer Vitrine vor mir hertragen… ;)

    Ein Prachtstück!

  5. Eigentlich sagen die bisherigen Kommentare alles, dem kann ich garnichts mehr hinzufügen.
    Außer vielleicht, dass ich es auch unheimlich finde, wie seltsam lebendig die Gute wirkt. Geheimnisvoll und betörend *g*
    Bist du sicher, dass kein Blitz in dein Haus eingeschlagen ist, als du gewerkelt hast? Dr. Natron Frankenstein :D

  6. Die hat genau den vorwurfsvollen Blick, den „mein“ Bartkauz immer hat wenn mein Klapperrad ihn nervt :D

    Die Flügel passen zwar ins Gesamtbild, auf dem Detailblick erinnern sie mich aber irgendwie unangenehm (auf eine nicht passende Art und Weise) an Oma-Unterwäsche und Slipeinlagen.

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