Zurück zum Content

Dreiecke

Das Fenster war wie eine holographische Ansichtskarte: berühmte Gebäude, deren Namen sie nicht kannte, obwohl sie wußte, daß sie berühmt waren. Graue geodätische Kuppeln, hervorgehoben vom Weiß des Schnees, dahinter das Himmelsgrau.

(William Gibson: Die Neuromancer-Trilogie. Heyne, 2000, S. 764)

Eine klassische Landschaftsbeschreibung à la Gibson. Geodätische Kuppeln – eine (halb-)kugelförmige Konstruktion komplett aus Dreiecken – tauchen immer wieder in seinen Geschichten auf.  Für mich ist der Begriff untrennbar mit Science-Fiction-Literatur verbunden. Nicht nur deswegen hat mich der Schnitt „Geodesic“ von Blueprints for Sewing sofort angesprochen. Ein Pulli dessen Mittelstück aus Dreiecken zusammengesetzt wird. Das ist ungewöhnlich und auf eine gute Art eigensinnig (um das dumme Wort „nerdig“ nicht zu verwenden).

Ich mag die Idee, Schnittmuster auf Architektur zu basieren. Das schlägt eine Brücke zwischen Schneiderei und Ingenieurswissenschaften. Das Schnittmuster als Bauplan, da sind durchaus Parallelen zu finden.

Geodesic

Die vielen Dreiecke zuzuschneiden zieht sich etwas. Aber wenn man mal einen Rhythmus gefunden hat, geht auch das. Ich habe den Rollschneider ausprobiert, den ich bisher nur für Patchwork verwendet habe. Ein bisschen Patchwork ist das hier ja auch. Für die geraden Kanten der Dreiecke geht das gut, Schnittmuster mit Rundungen werde ich trotzdem weiterhin mit der Schere zuschneiden.

Der Schnitt ist auf jeden Fall perfekt für Stoffreste, die im Prinzip noch reichen, aber zu zerstückelt für klassische Schnittteile sind. Hier braucht man nur Ärmel, der Rest sind Dreiecke. Schon ziemlich genial. Für den ersten Testlauf habe ich einen Rest dünnen Sweatshirtstoff (von diesem Cardigan) verwendet.

Geodesic

Mit dem Schnitt und dem Ergebnis bin ich im Großen und Ganzen zufrieden. Nur zwei Sachen sind mir aufgefallen.

  • Zum einen ist die im Schnitt enthaltene Nahtzugabe nur 6mm breit. Das ist selbst für die Overlock ziemlich wenig und hat es mir schwer gemacht, die Teile wirklich präzise zusammen zu setzen. Deshalb habe ich den Schnitt noch mal mit mehr Nahtzugabe abgezeichnet. Das liegt mir einfach besser.
  • Das andere ist das Halbündchen, das (obwohl unter Zug angenäht) nicht ganz glatt liegt. Das Problem ist hier die Form des Ausschnitts, der eher flach ist. Auf der Schulter muss das Bündchen eine enge Kurve machen und steht dort ein wenig ab. Sicher ist das auch materialabhängig, der hier verwendete Sweatshirtstoff ist nicht sehr elastisch. In Zukunft werde ich auf diese Stelle aber mehr achten und versuchen das Bündchen dort noch ein wenig mehr zu dehnen.

Ansonsten ist die Anleitung sehr gut und ausführlich (es gibt sogar einen Hintergrundartikel zu den Geodätischen Kuppeln) und bringt direkt ein paar Anpassungsoptionen für bessere Passform mit. Daumen hoch!

Geodesic

Der Pulli endet irgendwo zwischen Taille und Hüfte. Es fällt mir ein bisschen schwer, diese (für mich) neue Länge zu kombinieren. Prinzipiell finde ich sie super, sonst hätte ich den Schnitt nicht gekauft. Aber in der Praxis tue ich mich noch schwer. Eine Highwaist-Hose wäre prima. Habe ich nicht, ist aber aber geplant. Bis dahin ziehe ich ein Hemdchen drunter. Am besten würde mir eins mit abgerundetem Saum gefallen. Das steht auch schon auf meiner Liste.

Die Version mit kurzen Ärmel möchte ich auf jeden Fall auch noch ausprobieren, vielleicht aus Webstoff. Und dann habe ich eine Variante mit Kapuze gesehen, das ist auch eine tolle Idee. Ich bin mit Geodesic also noch nicht fertig. Zuerst muss ich aber dieses Halsbündchen hinkriegen. ;)

Geodesic

Zusammenfassung

Schnitt: „Geodesic“ von Blueprints for Sewing
Änderungen: Keine
Material: Rest dünner Sweatshirtstoff

4 Comments

  1. Hui, das gefällt mir! Ist ja quasi getragenes Patchwork – ein Quilt zum Anziehen.^^
    Ich freu mich auf weitere geodätische Pullis von dir!

    Liebe Grüße,
    Sabrina

  2. Das ist ja ein cooler Schnitt. Erinnert mich auch bisschen an die frühen 90er. Würde ich sofort tragen, den Quiltpulli. :D

  3. Ich schäme mich ja fast, das nun folgende zuzugeben, aber ich bin nun seit 15 Jahren (nur) stiller Mitleser von Natron & Soda. Ihr habt mir mit euren vielen Tipps und Tricks bei so manchem Nähproblem geholfen und ich möchte an dieser Stelle nun endlich einmal DANKE sagen. Danke, dass ihr eure Projekte und ein Stückchen eures Lebens mit uns teilt und so auch unsere Kreativität beflügelt!

    Liebe Grüße
    Aeringa

  4. Ute Ute

    Tolles Schnittmuster, schicke Umsetzung, die Variante mit Kapuze würde mich sehr interessieren. Auf jeden Fall motiviert mich das Muster endlich mal wieder selbst etwas zu nähen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.