Fackeln im Schritt

Ein Blick auf meine Stoffbilanz offenbart es. Mein hehres Ziel, dieses Jahr wieder 15m aus dem Vorrat abzubauen wird wohl nicht klappen. Warum?

Ich habe mir die vorhandenen Stoffe mal kritisch angesehen und denke, dass ich an sowas wie eine natürliche Grenze stoße. Das meiste sind nämlich kleinere Stücke (0,5m oder weniger) die irgendwo übrig geblieben sind. Zu wenig um damit was wirklich sinnvolles anzufangen. Wie viele Kissenbezüge oder Taschen kann man schon brauchen? Mit Jerseyresten in dieser Größe kann man immer noch Unterwäsche oder wild zusammengewürfelte Schlafsachen nähen, aber Webstoffe sind schwieriger. Ich habe schon überlegt sie für einen Flickenteppich zu verwenden (den könnten wir gut in der Küche gebrauchen), so in der Art wie Hedgefairy einen macht. Oder ich bündel passende Stoffe zu kleinen Paketen, dann könnte ich sie vielleicht verkaufen. Irgendwie möchte ich das auf jeden Fall reduzieren.

Und dann kommt noch dazu, dass ich neulich in Berlin shoppen war. Einmal auf dem Maybachufermarkt, da habe ich ein paar simple Jerseystoffe für Garderobenbasics gekauft. Und dann in Sodas Stoffvorrat, wo ich ein paar tolle Sachen abgegriffen habe, die sie nicht mehr benötigt. Das zusammen kippt die Bilanz ziemlich. Aber kein Grund rumzujammern, im Gegenteil: Neue Stoffe machen Spaß! Ich habe auch gleich mal angefangen, was zu nähen. :)

Wachsbatik

Und zwar hat Soda mal eine Wachsbatik gekauft, traditionellerweise gibt es die oft in Abschnitten von 5,5m (6 Yards). Also blieb nach einer Hose für sie noch eine ganze Menge übrig. Ich habe mir diesen Rest mitgenommen und auch eine Hose genäht. Das Muster ist bei den oberen beiden Rapporten etwas verrutscht, deswegen ist der Stoff vermutlich als günstige Ausschussware auf dem Markt gelandet. Mir soll’s recht sein.

Genäht habe ich eine Schlafanzughose, die man auch mal zum Rumgammeln auf dem Sofa tragen kann. „Loungewear“ könnte man sagen, wenn es weniger faul klingen soll. Den Schnitt gibt die lange Pyjamahose aus dieser Strecke (Schnitt 127 aus Burda 12/2007). Ich habe aber drei Änderungen gemacht: Die Hosenbeine 5cm verlängert, Taschen ergänzt und den Bund extra angesetzt (und dabei auch etwas breiter gemacht).

Wachsbatik

Der Baumwollstoff ist genau richtig, weich und trotzdem griffig. Ich mag auch die teilweise wirklich ungewöhnlichen Muster und leuchtenden Farben dieser afrikanischen Stoffe. Manchmal enthalten sie sogar Botschaften. Mit dem Fackelmotiv und den Ketten/Ringen könnte es hier um Befreiung gehen. Oder um Olympia.
Das Muster ist auf jeden Fall von der Sorte die nicht einfach zu platzieren ist. Da kann ja einiges schief gehen, ein warnendes Beispiel hier. Die auffälligen Fackelmotive mittig auf das Bein zu setzen erschien mir ungünstig, besser ist es sie links-rechts zu versetzen. Gewohnheitsmäßig habe ich dabei versucht das Muster auf den Hosenbeinen zu spiegeln, aber dabei lässt es sich quasi unmöglich vermeiden, eine Fackel direkt im Schritt oder paarweise auf dem Hintern zu haben. Es ist zwar keine straßentaugliche Hose, aber sowas sollte trotzdem nicht passieren. Der rettende Gedanke war dann, das Muster nicht zu spiegeln sondern fortlaufend zu verwenden. So treffen keine orangeroten Kreise an der Mittelnaht aufeinander und die Gefahr von peinlicher Platzierung ist gebannt. Halleluja!

Wachsbatik

Der Rest der Hose kam dann ganz flott zusammen. Am Saum habe ich die Webkante dran gelassen und ihn nur einfach umgeschlagen. Für den Bund und die eine Hälfte der Taschen habe ich einen passenden Streifenstoff (ein Rest dieses Höschens) verwendet. Die Kombination rockt!

Wachsbatik

Meine dazugegebenen 5 cm Länge habe ich schließlich wieder weggefaltet, deswegen ist der Saum sehr breit. Normalerweise sind mir Burdas Hosen einen Tick zu kurz, aber diese hier sitzt etwas niedriger als beabsichtigt und hat deswegen genau die richtige Länge.

Wachsbatik

Zusammenfassung

Schnitt: Hose 127 aus Burda 12/2007
Änderungen: Bund extra angesetzt, Taschen hinzugefügt
Material: 1,6m Wachsbatik (Maybachufermarkt), Rest Streifenstoff

4 Gedanken zu „Fackeln im Schritt

  1. Sieht wirklich klasse aus! Der Stoff gefällt mir sehr (irgendwann muss ich auch mal auf diesen sagenhaften Maybachufer-Markt, von dem mir Berliner Freunde immer vorschwärmen) und die Hose passt toll dazu.

    (und Halbmeterreste sind furchtbar … eine Weile kann man ganz gut Taschen und Kissen verschenken, aber irgendwann fällt das auf :D)

  2. Wieso machst du in letzter Zeit lauter Sachen, die bei mir auch schon ewig auf der To-Do-Liste stehen, hm??? Und machst mir ein schlechtes Gewissen? :D

    Die Hose ist aber echt schick geworden! So liegend erschlagt einen der Stoff ja schon etwas, aber man konnte schon sehen dass er Potenzial hat und als Hose glänzt er richtig. Der passende Bund ist noch das Tüpfelchen auf dem i! :)

  3. Das ist einer der Stoffe die schon wieder Hipstermäßig sind, weil sie irgendwie auch „gruselig“ sind, außerdem mag ich den Fehlversatz der Farben gerade. Das lässt den Stoff schön nach Handarbeit wirken.
    Ich finde die Hose ist gesamt aber echt toll geworden und die Kombi mit dem Streifenstoff ist toll (genau für sowas braucht man auch Reste und kleinere Stücke!). Aus dem Stoff könnte ich mir auch super die Thai-Fischer-Hose vorstellen.

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