Surrealismus zum Anziehen

Wenn etwas auf dem Bügel unförmig, schief und asymmetrisch aussieht weckt es oft gerade deshalb mein Interesse. Neulich als mir eher zufällig wieder mal so ein Kandidat unterkam, habe ich also genauer hingeschaut. Es war ein Cardigan mit interessanter Wickeltechnik, die Vorderteile sind verlängert und vorne verbunden, so hat man eine „Schlaufe“ die sich auf verschiedene Arten drapieren lässt. Ich habe ihn (obwohl nicht ganz meine Farbe und außerhalb meines Preislimits) mal in die Garderobe geschleppt und ausführlich anprobiert. Gar nicht übel, so als leicht avantgardistische Jacke zum Drüberziehen. Nicht dass ich so eine uuuunbedingt bräuchte, aber ich hatte da noch so einen schwarzen Feinstrick-Jersey der geradezu perfekt dafür ist… :D

Der Cardigan ist von Oakley, hier online anzusehen, obwohl ich finde, die Fotos bringen nicht richtig rüber wie cool das in echt ausgesehen hat. Alleine damit hätte mich der Schnitt jedenfalls nicht überzeugt, da hätte ich weitergeklickt. Dass etwas schlampig auf dem Bügel hängend interessanter aussieht als hingestylt an einem Model.. auch eher selten. Das ist dann wohl die Macht der Fantasie. ;)

Wickelcardigan

Die Konstruktion ist relativ einfach, das einzige das ein wenig Nachdenken erfordert hat, ist der angeschnittene Kragen. Den habe ich mit viel Papier und der Hilfe der Schneiderpuppe an einen einfachen Longsleeveschnitt rangetüftelt, dann habe ich noch die Vorderteile entsprechend verlängert und hatte meinen Cardi-Schnitt. Im fertigen Modell sieht man schon wo der Kragen noch verbessert werden kann, aber für den ersten Versuch ist er anständig genug, denke ich.

Wickelcardigan
Ziemlich elegantes Schnittdetail, finde ich. Der Kragen hat hinten eine Mittelnaht, die beiden Teile wachsen organisch aus den Vorderteilen heraus und schmiegen sich um den Nacken.

Mit dem halbwegs kooperativen Feinstrick und der Overlock ließ sich das dann auch relativ schnell und problemlos zusammennähen. Die Säume habe ich mit der Zwillingsnadel abgesteppt, das gibt (zumindest bei mir) ein saubereres Finish als die Flatlocknaht.

Und hier mal ein paar der Tragemöglichkeiten. Alle runterzubeten wäre Spam ;)

Grundform
Wickelcardigan

Seiten hochgezogen zum Bolero, hinten überkreuzt und die Schlaufe als „Halstuch“ nach vorne gehängt.
Wickelcardigan

Vorne einfach überkreuzt, Schlaufe in den Nacken gehängt.
Wickelcardigan

Eigentlich stehe ich den Jersey-Teilen, bei denen man zB aus einer Röhre und zwei Stofflappen 315,7 verschiedene Kleider wickeln kann eher skeptisch gegenüber. Die Grundidee ist toll, aber die Umsetzung hat mich nie überzeugt. Hier passt beides. Man kann sich damit sicher auch sehr unelegant strangulieren, aber die meisten der doch erstaunlich vielen Tragemöglichkeiten haben mir tatsächlich gefallen. Das ist so organisch und fließend, gleichzeitig verspielt und unangestrengt lässig.

Ach, und eine Kapuze ist auch dabei, wenn man will.
Wickelcardigan

PS: Diese Wellen in meinen Haaren hat mein Frisör entdeckt. Sind die nicht super? Ich bin total begeistert. Meine Haare, die alten Schnittlauchdinger, probieren plötzlich den Hüftschwung. Was man auf den Fotos sieht, ist allein durchs Aufkneten beim Fönen entstanden. Der Wahnsinn! Der Mann kann zaubern! :D

26 Gedanken zu „Surrealismus zum Anziehen

  1. Ein wunderschönes Teil, was ich gleich nachnähen würde, wenn sich Jersey mit mir vertragen tät…

    Die Fotos für sich sind jedenfalls schon sehr avantgardistisch, wie ich finde. Alles sehr chic.

  2. Woa, was für ein tolles Teil!
    Ich muss zugeben, am Anfang war ich sehr skeptisch, aber die Stylingmöglichkeiten, die du da aufzeigst… ganz toll. Ich glaube, sowas will ich auch! *thihi*

    Die Fotos von dir in der Jacke finde ich übrigens auch großartig, wie die „neue“ Haarwelle! :D

  3. Sag mal, hast du Probleme damit, wenn man das Strckjacken-Wickeljacken-Shrug- Teil nachnäht? Ich hab noch so viel Jersey und so wenig Ideen…

  4. Ist ja lustig, was ziemlich ähnliches habe ich vor kurzem auch endlich fertig genäht. Eigentlich dachte ich, ich hätte den Blogeintrag schon gepostet, ein Blick auf den Blog belehrte mich allerdings eines besseren.
    Meine Version ist vorne offen und hat den Kragen etwas anders gelöst, so geht natürlich der Kapuzeneffekt verloren (wobei man das sicher auch irgendwie nachbauen kann), aber man kann schätzungsweise noch mehr wickeln:
    http://ratternderuby.wordpress.com/2012/06/01/crazy-cozy-oder-die-jacke-der-1000-moglichkeiten/

    Gefällt mir jedenfalls sehr gut und deine Feinstrickversion dürfte vermutlich auch wesentlich knitterarmer sein als meine, was defintiv ein Pluspunkt ist.^^

  5. Sag mal, hast du abgenommen oder liegt das an schwarzweiß? oO

    Das Teil find ich total super. Ich bin gerade auf dem „Ich brauch mal mehr Überziehsachen“-Trip und will das jetzt auch machen. Bis wo geht denn die Schlaufe vorne? Kurz über’s Knie?

    1. @Thalea: Ich habs grad mal nachgemessen, die Schlaufe ist wenn sie hängt etwa 100cm lang, von der Schulter gemessen.
      Ich hab im Zuge der Erkältung 2 Kilo abgenommen, aber ich glaub nicht, dass man das sieht. Muss also an Schwarzweiß liegen :D

  6. Oh … interessantes Teil, sehr elegant und trotzdem so indi …

    Aber was ich eigentlich sagen wollte: saugeile Fotos! Vor allem das mit Schmollmund und Kapuze!

  7. Cooles Teil und coole Fotos – auf alle Fälle sehr Natron. Die Haare sind auch sehr schick – ich wünschte, meine würden mal so wellen.. die Länge ist grad ziemlich so wie bei dir.

  8. Die Jacke ist ziemlich cool, aber was ich eigentlich loswerden wollte, ist, dass du einfach unglaublich cool auf den fotos aussiehst! =)

  9. GENIAL. Mehr ist dazu nicht zu sagen.
    Ehrlich gesagt bin ich auch kein Fan von diesen „ein-teil-dreihundert-tragemöglichkeiten“-Teilen, aber die Jacke ist schon irgendwie cool. Hat was.
    Alle drei Daumen hoch! :)

  10. Tolles Kleidungsstück, bei dir sieht es viel lässiger und irgendwie auch edler aus, als auf der Website. Nicht nur von der Farbe her. Ich finde die Präsentation auch charmanter :)

    Das wäre doch mal eine tolle Idee für die Page! Oder besser nicht, wegen der Quelle?

    1. @Agnes: Die Konstruktion ist eigentlich nicht besonders dramatisch (vom Kragen abgesehen, aber es geht ja auch ohne). Stell dir einen Cardigan vor, dessen Vorderteile jeweils auf etwa 75cm verlängert und vorne zusammengenäht sind. Das ist schon das ganze Geheimnis. :)

  11. Danke für die Info. :)
    Ich hab grad‘ meinen „Stückelshrug“ (aus Resten mit außen liegenden Nähten) fertig gemacht, ich glaub ich teste dies dann mal als nächstes.

  12. Nachdem ich gerade meine Kinnlade wieder aufgesammelt habe, kann ich nur sagen: WOW. Steht dir genial und ich will sowas auch! :D
    Was ich schon einmal fragen wollte: Wo kriegst du denn die Heerscharen an Leggins her, bzw. deine nicht-genähten? Zufallsfunde? Ich finde fast immer nur solche, die aussehen wie Strumpfhosen.

    1. @Momiji: Danke :) Die meisten Leggings sind tatsächlich selbstgenäht. Die einzigen gekauften sind eine aus dickem Jersey von h&m und diese mit den Pailletten von C&A (das war zu der Zeit als die gerade angesagt waren, musste ich aber auch gezielt nach suchen).

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