Ein Himmel mit Paspeltasche und Benimmunterricht für Nahtzugaben

An Larissa sind im Moment lauter kleine Vor- und Nacharbeiten zu machen, bevor es mit einem richtig sichtbaren Fortschritt weiter geht. Für Zuschauer also vielleicht eher langweilig ;)
In das Futter der Jacke muss auf jeden Fall eine Tasche für meinen MP3-Player, sonst fehlt mir was. Überhaupt, Damenhaftigkeit hin oder her, ich finde ALLE Jacken und Mäntel sollten eine Innentasche haben. Schon allein, damit man Dinge die einem am Herzen liegen auch am Herzen tragen kann ;)

Innentasch
Taschenbeutel und Paspel (oder Leiste…wie immer man das jetzt nennen mag) aus einem Stück, das war meine Spezialidee

Meine geplante Innentasche lag irgendwo zwischen Paspel- und Leistentasche. Von der Konstruktion eigentlich gar nicht sooo komplex, trotzdem musste ich drei Mal neu anfangen. Zuerst hatte ich den Taschenbeutel falsch herum aufgenäht. Also abgetrennt. Dann richtig rum aufgenäht, aber schief. Also abgetrennt. Dann ist mir die Dose mit den Stecknadeln vom Tisch gefallen. *kreiiiiisch* Dauernd schiebe ich sie auf dem Tisch umher, immer darauf bedacht, nicht zu nah an die Tischkante zu kommen. Aber sie schaffen es dennoch immer wieder sich davon zu machen, die kleinen Ausbrecher. Ein starker Magnet ist für diesem Fall immer in greifbarer Nähe, aber man weiß ja trotzdem nie ob man auch wirklich alle wiedergefunden hat. Wenigstens war der olle Taschenbeutel beim dritten Mal halbwegs gerade. Nur auf eine ausführliche Doku dieser Art von Tasche hatte ich dann keine Lust mehr. Deswegen hier nur das Endergebnis:

Innentasch

Wenn die hellen Streifen also quasi der Hintergrund sind, dann ist das ein Himmel mit Tasche. Das erheitert mich gerade ungemein. :)

Danach habe ich noch ein paar störrische Nahtzugaben runtergenäht. Ein ziemlicher Liebesdienst, aber so kann ich wenigstens sicher gehen, dass die Innenseite keine Revolte plant, sobald das Futter drin ist. Und auf diesem Zwischenfutter kann man alles so toll festnähen, das bietet sich einfach an.

Nahtzugab

Im Rückenteil habe ich auf einen Tipp von linse hin noch ein Gummiband zwischen die Faltenböden genäht. Dann können die sich beim Tragen nicht nach außen stülpen. Das ist sicher eine hilfreiche Sache.

Gummiband

Damit war soweit alles erledigt, was vor dem Einsetzen des Futters nötig war. Und mit dem habe ich dann direkt weitergemacht. Zwischen Satinfutter und Besätzen wollte ich ja aus optischen Gründen noch eine Paspel haben. Die musste ich mir erst mal aus rotem Satinschrägband und Kordel zusammenbauen. Das Schrägband habe ich nass gemacht und glatt gebügelt, so wird es etwas weicher und die Knickstellen gehen raus. Dann habe ich die Kordel reingenäht und das ganze auf die Kante der Besätze geheftet. Ein Problem dabei ist, dass meine neue Maschine keinen Fuß hat, mit dem man wirklich ganz eng an der Kordel entlang nähen kann. Selbst der Reißverschlussfuß, den ich sonst dafür verwendet habe, hat mehr so eine Gabelform und kommt deswegen nur auf wenige Milimeter ran. Da werde ich mir noch mal einen anderen besorgen. Hier musste es erst mal so gehen. Ganz perfekt ist das mit der Paspel also nicht, aber für den Hausgebrauch reichts.

Futter
Mhmmm, wie Vanilleeis mit Erdbeersoße :)

Und weil ich die Idee hatte, dass ja jetzt nicht mehr viel Arbeit ist, habe ich dann auch direkt das Futter eingenäht. An manchen Stellen sind so viele Lagen Stoff, dass es sich an den Nähten einfach nicht schön legt. Ich habe dort zwar auch wieder die Nahtzugaben auf dem Zwischenfutter festgenäht, das hat auch ganz gut geholfen, aber das hatte ich mir einfacher vorgestellt.

Dann war so meine Vorstellung, Larissa vielleicht noch vor Weihnachten fertig zu kriegen, so dass sie über die Feiertage mit nach Berlin kommen kann. Aber wie das so ist. Unsere Beziehung ist ja nicht ganz einfach. Ich wollte sie gerne dabei haben, aber sie hat getrödelt, ist einfach nicht fertig geworden, dann wurde die Zeit knapp, ich wurde hektischer, sie wurde bockig. Schließlich gab es einen Streit, ein paar unschöne Worte fielen, sie verpasste mir im Affekt mit einer Stecknadel einen dicken Kratzer an der Hand. Dann haben wir entschieden, dass es besser ist, ein paar Tage getrennt zu verbringen. Sie konnte sich in Hamburg ausschmollen, ich in Berlin.

Im Nachhinein denke ich, es war auch ganz gut so. Mit etwas Abstand konnte ich die Situation neu bewerten, und ich verstehe jetzt, dass ich sie vielleicht zu sehr gedrängt habe. Nach außen hin wirkt sie zäh und widerstandsfähig, aber man darf darüber nicht vergessen, dass sie eine sensible Persönlichkeit ist die auch schon einiges mitgemacht hat. Unser Wiedersehen war jedenfalls herzlich, ich freue mich jetzt darauf wieder mir ihr zu arbeiten. :)

3 Gedanken zu „Ein Himmel mit Paspeltasche und Benimmunterricht für Nahtzugaben

  1. Liebe Natron,
    was ein wunderbarer Text mit dem du den schwierigen Nähprozess beschreibst. Ich freue mich über deinen Blog und dieses Post ist einer seiner Höhepunkte. Mein großes Kompliment.
    Mema

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