Evolution einer Idee

Royal Wedding Also das Raten hat doch echt Spaß gemacht, oder? Mir jedenfalls. Ihr habt tolle Ideen, manche kommen auch schon sehr nah an meine Skizze heran, und bei einigen war ich kurz am überlegen ob ich nicht vielleicht doch noch mal meine ganzen Pläne über den Haufen werfe. Danke für euren Input! :)

Als Sahnebaisers-Prinzessin hat mich niemand gesehen, das ist vielleicht keine so große Überraschung. Ich hatte diesen Reifrock-Rüschen-Bombast auch von Anfang an ausgeschlossen. Vielleicht zeigt sich da meine WGT-Erfahrung: Ich habe schon Korsetts und Reifröcke getragen, ich muss mein Hochzeitskleid nicht zu dieser „ein Mal im Leben“-Gelegenheit machen.
Obwohl ich ja sagen muss, ich hätte in den einschlägigen Onlineshops mehr kitschige Scheußlichkeiten erwartet. Als ich vor (viiiiiielen) Jahren mal mit einer Freundin nach Brautkleidern für sie geschaut habe (in Geschäften) gab es noch haufenweise dieser grellen achtzigerjahre Plastikrüschen-Perlen-Puffärmel Geschichten. Die scheinen ziemlich restlos ausgestorben zu sein. Hat mich gleichzeitig beruhigt und auch etwas wehmütig gemacht.

Je länger ich mich dann auf diesen unzähligen Hochzeitskleiderseiten umgeschaut habe, desto mehr hatte ich den Eindruck, dass das im Prinzip alles die selben zwei oder drei Schnitte sind, die unendlich mit Details variiert werden. Und alle haben sie mir nicht richtig gefallen. Diese ganzen Hochglanz-Ladies in dramatischen Posen mit effektvoller Beleuchtung, dahingegossen auf einem Sofa oder auf der Freitreppe eines Landhauses. Spricht mich überhaupt nicht an. Das war der Punkt an dem eine leichte Panik aufkam. Gibt es denn gar nichts anderes da draußen? Die großen Schnittmusterhersteller haben mich ebenfalls enttäuscht, auch dort klassische Eleganz oder Prinzessinnenkitsch.

Also, erste Lektion gelernt: „Irgendwas anderes“ zu suchen bringt einen nicht richtig voran.

Denn das einzige was ich sicher wusste war, was ich *nicht* will. Ich will mich an meiner Hochzeit nicht verkleiden (= Definitiv kein Schleier!). Ich will keine Mottoparty daraus machen, und meine gesamte Persönlichkeit auf ein stilistisches Detail zusammenstreichen. Es soll feierlich, aber nicht steif sein. Fröhlich, aber nicht albern. Weiblich, aber nicht kindisch.
Und beide Alternativen die es zu geben schien treffen nicht meine Vorstellung. Das mehr oder weniger dekorierte Reifrockkleid nicht und das fließend-elegante schmale Kleid auch nicht. Ich will ein schönes Kleid, eins das „ich“ ist, in dem ich mich wohl fühle und das etwas besonderes ist. Aber keins davon hat diese Vorstellung erfüllt.

Und dann sitzt man da.

Nur ein einziger konkreter Punkt war schon klar: Die Farbe. Mein Freund (den ich inzwischen auch als „mein zukünftiger Ehemann“ oder „mein Verlobter“ bezeichnen könnte, was aber alles noch so wahnsinnig fremd klingt) und ich waren vor etwa 2 Jahren auf der Hochzeit von Freunden. Die Braut trug ein schönes, schmal geschnittenes Kleid mit ein wenig Glitzer und ein wenig Spitze, in weiß. Und während ich vorher keine Argumente gegen ein farbiges Kleid gehabt hatte, war zu dem Zeitpunkt klar, dass es nur ein weißes Kleid sein kann. Das hat einfach diesen „Braut“-Faktor. Ich weiß nicht richtig wie ich es beschreiben soll, aber kein Kleid, außer einem weißen bringt die Besonderheit des Anlasses so zur Geltung. Auf der anschließenden Feier (Kleiderordnung eher locker) hatte sie in dem weißen Kleid immer noch die Ausstrahlung einer Braut, immer noch so schön und festlich, das hätte kein anderes Kleid gekonnt, glaube ich. Eine schöne Frau in einem schönen Kleid, klar, aber „Hochzeit“ sagt in meiner Vorstellung nur ein weißes Kleid. Wie man wohl nicht nur in diesem Punkt merken wird, bin ich was das Hochzeitsthema angeht ein wenig konservativ oder doch minimal romantisch, wie ich gerade feststelle.

Also: Es wird weiß. Kein Atomweiß, sondern ein gedeckterer Ton, aber auf jeden Fall weiß. Das wäre dann schon mal ein wichtiger Punkt. Aber ansonsten immer noch unendliche Möglichkeiten.

Ich habe mich dann dem fraglichen Objekt noch mal pragmatischer genähert. Eins der Probleme ist die Rocklänge. Ich kann mich mit der Vorstellung eines bodenlangen Rocks einfach nicht anfreunden. Der einzige Vorteil daran ist, dass man sich um die Schuhe nicht so viele Gedanken machen muss. Aber ich bin nicht der Typ dafür, ich trage alltags nie lange Röcke und sehe mich irgendwie nicht in einem langen Hochzeitskleid.

Und dann war es da. Das Wort, das meine Suche gerettet hat: Tea-Length. So bezeichnet man Röcke die zwischen Knöchel und Knie enden. Die perfekte Länge für mich. Endlich hat die Suche mal Kleider ausgespuckt bei dene ich spontan dachte „Oh, wie schön!“ und nicht „Najaaaa… mit Änderung hier und ohne das da… vielleicht… aber… hrmpf“.

Tea-Length! Das ist verspielter als bodenlang und nicht so streng, das ist …. Dior! Und von dem Augenblick an war alles ganz einfach. Ich bin ein sehr großer Bewunderer von Christian Diors Kreationen. Diese scheinbar mühelose Mischung aus elegant und jugendlich, das ist das was ich gesucht habe. Hätte man schon früher drauf kommen können, wenn man nicht den Umweg über die klassische Brautmode gemacht hätte. Aber gut, viele Wege führen zum Ziel. :)

Also, der Plan sieht vor: Ein Kleid das knapp unter dem Knie endet, in der berühmten New Look Silhouette. Das lässt immer noch eine ganze Menge Spielraum. Ausschnitt? Ärmel? Stoff? Verzierungen? Jetzt geht es um die Details! Die sind noch nicht alle entschieden, deswegen für heute erst mal das Grundmodell. Beim nächsten Mal dann noch ein paar Ideen und mehr Entwürfe. Aber vielleicht hat ja jemand von euch noch eine Eingebung dazu? Der Look geht im Moment in Richtung 50er-Jahre-Filmstar, den dazugehörigen Glamour und die Leichtigkeit würde ich gerne beibehalten, ohne dass das jetzt das Motto sein soll. Stilbrüche wird es sicher noch geben. Und was Accessoires, Haare, Schuhe angeht bin ich auch noch total ratlos.

Entwürfe

Ich poste hier so freimütig alle Details über das Kleid, weil mein Freund und ich entschieden haben, dass wir uns das ganze „Der Bräutigam darf das Kleid vor der Hochzeit nicht sehen“-Hickhack sparen werden. Mal ehrlich, für ihn ist das eh nur irgendein weißer Fummel. Die Details über die ich mir den Kopf zerbreche prallen an ihm völlig ab. Was auch in Ordnung ist, es würde mich mehr verstören, wenn er plötzlich echtes Interesse an meiner Planung zeigen würde ;)

23 Gedanken zu „Evolution einer Idee

  1. Unqualifizierte Erstreaktion meinerseits: „Boah, ich steh total auf die Liz-Taylor-Variante mit dem Monsterausschnitt und den langen Ärmeln.“
    *hüstel* Von deinen Planungen bin ich schon sehr angetan – die Länge klingt wirklich gut und passend. Hach, ich bin sooooo gespannt, wie es am Schluss aussieht!

  2. ohhhh *herziaugen*

    Hast du Dir schonmal die Vintage Schnitte von Vogue angesehen? Da sind sehr viele in dem Stil dabei.

    Sowas champagnerfarbenes? oder eher eierschale? ;-)

  3. Toller Post! *herzchenaugen’* Nicht, dass demnächst meine Hochzeit ins Haus stünde, aber manchmal überlegt man sich ja doch, in was man wohl selbst mal heiraten wollte. Und du bringst das schön auf den Punkt. Nicht verkleidet, aber festlich. In bodenlang hätte ich dich nie gesehen.

    Genau wie Noctua springt mir der Entwurf mit den langen Ärmeln und dem großen Ausschnitt sofort ins Auge. Schlicht, elegant, wow. Ich bin so gespannt wie es weitergeht!

  4. Oh, super. Die Entwurfe sind total schön.

    Entwurf 1 & 3 sind mir sofort ins Auge gesprungen. Ich galube, dass man vor allem aus Nr.1 was ganz schönes machen kann, mit kleinen Details.
    Und das es kein rein-weiß werden soll, find ich auch gut.

    Ich bin schon so gespannt auf das Endergebnis, und das, obwohl gerade mal die ersten Ideen zu sehen sind :D

  5. Mir gefallen Entwurf 1, 3 und 4 am besten! :)

    Mein erster Gedanke bei der Länge war „NEEEEEEEIN!“, weil ich diese Länge bisher eher unvorteilhaft erlebt habe (kann uU ziemlich stauchen). Als ich dann deine Entwürfe gesehen habe, war ich dann wieder komplett davon überzeugt, dass ihr beide das ganz toll hinbekommen werdet. :)

  6. Das sind wirklich wunderschöne Entwürfe.
    So klassisch hätte ich dich gar nicht gesehen, irgendwie schwebte mir da eher etwas Technischeres vor.

    Bei deinen Entwürfen musste ich sofort an Mad Men denken, wäre das nicht vielleicht als Inspiration tauglich?

  7. Oh, das klingt großartig… wobei ich mir dich z.B. nicht in etwas trägerlosem wie ganz rechts vorstellen könnte… höchstens in kombination mit irgendeinem jäckchen-etwas.

  8. Die erste und zweite Variante von rechts gefallen mir sehr gut. Bei der Ansage Dior war Grace Kelley das erste wa smir einfiel. Vor allem die Kombination mit dieser kleinen Schäörpe um die Taille von ihrem Hochzeitskleid. Das könnte ich mir für dein Kleid auch sehr gut vorstellen :)

  9. Hmmm also ich würde die Ärmelfragte auch vom ungefähr angestrebten Termin abhängig machen. Ich weiß nicht wie wichtig Temperaturempfinden für dein Wohlbefinden ist, aber ich zB würde in einem langärmeligen Kleid im Sommer Wahnsinnig werden und im Winter müsste es uuuunbedingt was warmes sein ;D

  10. Ohhhh…
    Kleider *heart*

    ich kann mir die gezeigten Silhouetten alle gut an dir vorstellen. Du bist zudem auch noch recht groß, da ist tealength auch kein Problem. Ich würde darin aussehen wie… ne, lassen wir das ;)

    Und wie, Red macht nicht seine ganze Glückseligkeit davon abhängig, ob die Perle am Ausschnitt offwhite mit Glanz oder ohne ist? ;) Warum nur *G*

    *hach*
    so schön.
    Ich bin schon auf die Stoffauswahl gespannt.

    lg denocte

  11. Hihi ich war etwas überrascht, dass du Grace Kelly als perfekte Braut siehst und erst über so viel Umwege zum 50er Stil gekommen bist. Ich liebe diesen Stil! Sonst gehen Brautkleider ja völlig an mir vorbei, aber ich wette auf dein Kleid werde ich neidisch blicken.^^

  12. Yeah :) Natron und bodenlang, das wäre echt nicht gegangen. Ganz kurz aber auch nicht. Irgendwie braucht eine Natron in meinen Augen was „cooles“, was, womit sie zur Not auch vor einem Dixie anstehen oder drei Becher Bier rumtragen kann, ohne fehl am Platz auszusehen. „Meine“ Natron ist irgendwie die typische Festival-Natron.
    Im Hinblick darauf finde ich Variante 2 und 4 am besten, vielleicht auch noch 5. Obwohl ich mir dich in trägerlos irgendwie noch nicht so recht vorstellen kann. Trägerlos geht in meinen Augen auch nur mit nicht zu breiten Schultern und so genau hab ich mir dich noch nie angeschaut ;) Und so kurze Ärmelchen.. ich weiß nicht. Das wäre mir persönlich zu 50er. Die slouchige Langarmversion finde ich ziemlich cool, auch in Kombi mit dem Uboot-Ausschnitt. Aber da hätte ich Bedenken mit dem Stoff, denn irgendwie stelle ich mir dein Kleid in leicht schimmernder Seide vor und da gehen so gemütliche Ärmel wiederum nicht. Hm. Ich merke gerade, sowas ist echt kompliziert.
    Ich bin gerade echt froh, dass ich mir über sowas noch keine Gedanken machen muss.. :D

  13. ich würde auch gerne etwas zum Brautkleid „beitragen“ :)

    Die tea lenght im (abgetöntem) weiss find ich schon mal sehr passend zu dir. Es ist feminin aber nicht so extrem sondern eher bodenständig und auch etwas „sportlich“ und trotzdem elegant.
    Da finde ich sollte dann nicht zu viele Details an das ganze kleid, das macht den „schlichte Eleganz“ der Länge weg.
    Zu dir finde ich passt am besten ein Kleid welches auf den ersten Blick nicht auffällig sondern schlicht und elegant erscheint auf den zweiten Blick aber doch sehr raffiniert. Ich hab da leider noch nicht so die zündende idee für die „Raffinesse“ vielleicht vorne eher verschlossen und hinten ein aussergewöhnlicher Rückenausschnitt!?

    zu deinen Bildern:
    das zweite und das vierte fände ich doch etwas zu harmlos, das würde ich dann aus 2 Lagen nur richtig passend finden. So ein 80er Corsagen ausschnitt drunter und so spitze drüber so zB
    http://2.bp.blogspot.com/_HjG06id1K7M/TRdoFuqhPKI/AAAAAAAABJA/sKrA1WbXhaU/s1600/Bild+19.png

  14. Ich finde, Teleri hat ziemlich gut auf den Punkt gebracht, was diese Kleidlänge so Natron-tauglich macht :)
    Und Bezüglich der Ärmel kann ich ihr auch nur recht geben. 1 wäre mir auch -zu- 50er. Langärmelig stelle ich mir auch Stoff-technisch unpraktisch vor, und trägerlos kann ich mir bei dir schlecht vorstellen.
    Das dritte würde mir von deinen vorschlägen am für dich am besten gefallen.
    Lg
    Thya

  15. Na, was heißt denn hier an mir prallt alles ab. Immerhin habe ich mir das alles hier sauber durchgelesen. :D

    Männer zeigen Interesse nur anders. Und wenn ich „Toll“ sage, dann ist das ein richtig großes Kompliment.

    red „Der Verlobte“

  16. Für mich war dieses Filmkleid schon immer recht nahe an einem wirklich schönen Hochzeitskleid. Vielleicht wäre diese Sorte Ausschnitt ja was für dich (bloß nicht der Schleier, der ist grauenhaft, aber willst du ja eh nicht).
    Ich bin nicht so ein Fan von Ärmel, aber wenn dann könnte ich eher kurze an dir sehen. Lange Ärmel an Kleidern lassen einen oft etwas älter wirken find ich, aber vielleicht ist das nur mein verquerer Eindruck.
    In jedem Fall wäre ganz Trägerlos auch schwierig, da man da häufig den ganzen Abend rumzupft, das es auch wirklich noch richtig sitzt und nicht runterruscht (vollkommen unabhängig davon ob das Kleid tatsählich rutscht).
    Kann über die Länge nur allen zustimmen.

    http://bios.weddingbee.com/pics/80984/76299_JuliaRoberts_RunawayBride_1280x544_122_224lo.jpg

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