Sashiko : Going Kimono – Teil 11

Das ist jetzt wieder Arbeitsverzögerung aber irgendwie typisch für mich: Ich hatte die Idee statt einem Label eine Stickerei auf der Innenseite unterzubringen. So wie bei meinem Parademantel auch. Und dann habe ich neulich dieses schöne Sashiko-Motiv gesehen. Ich mag wie es sich zum Rand hin auflöst. Und Sashiko mag ich sowieso. Zu dem Kimonoprojekt würde das wunderbar passen, denke ich.
Muss ich nur noch das Datum irgendwie unterbringen. Kleine römische Zahlen vermutlich, V MMX für Mai 2010.

Ich habe auch mal einen Test gestickt mit einer Abwandlung des Motivs. Nicht so irrsinnig ordentlich weil es mein erster Versuch mit Sashiko ist. Ich weiß, es sieht okay aus, aber das Geheminis bei Sashiko ist eben gerade die absolute Gleichmäßigkeit, dieser asiatische Perfektionismus.

Stickerei

Ich bin mir noch nicht ganz sicher was die Farben anbelangt (die hier sind nur irgendwelche Garne die gerade übrig waren, also nicht sonderlich mit Bedacht ausgewählt). Ich hätte ein wirklich gut passendes Leinenstoff-Grau als Stickgarn. Das tarnt sich dann auf dem Stoff, aber das ist nicht schlecht, verbirgt meine Fehler und stellt die Stickerei nicht so in den Vordergrund. Bei der zweiten Farbe (für die Kästchen) bin ich noch ratlos. Irgendein dunkleres Rot vielleicht. Nicht zu kontrastig.
Aber ich habe noch nicht mal entschieden ob es am Ende wirklich dieses Motiv sein wird. Es gibt ja noch hundertausend andere tolle Möglichkeiten.

Stickerei

Ich weiß, sagts nicht. Jetzt macht sie endlich etwas Deko an dieses langweilige Ding und dann auf die Innenseite! Wie kann man sich so viel Arbeit für etwas machen, das keiner sieht?
Erstmal: Das ist für mich alles andere als ein langweiliges Ding. Der Stoff ist grau, nicht unbedingt die Mutterfarbe der spontanen Begeisterung. Aber er hat eine wunderbare Textur. Und der Schnitt ist so zauberhaft und raffiniert dass alle Muster oder Dekoelemente da nur stören würden. Der ist wie ein Kunstwerk an sich.
Und meine mehr oder weniger aufwändigen Innenverzierungen sind für mich auch keine Zeitverschwendung. Es ist mir (inzwischen, früher habe ich das auch anders gesehen) wichtiger, dass ich mich in einer Klamotten wohl fühle als dass andere sie sehen und begeistert sind. Eine schöne Innenseite die nur ich sehe trägt dazu bei, dass das Stück für mich hochwertiger wirkt und ist sowas wie ein persönliches Geheimnis, das ich mit ihm teile. Alle außenseitigen Verzierungen sind „fürs Volk“ und haben deswegen eine ganz andere Wirkung.

Die erste Erfahrung der Art hatte ich 2006 mit einem Rock. Da hatte ich eine Applikation drauf genäht und mich dann dafür entschieden den Besatz am Bund nicht aus dem Rockstoff sondern aus dem Applikationsstoff zu machen. Eine Kleinigkeit. Aber dadurch, dass der Bund noch mal diese winzige „Besonderheit“ auf der Innenseite aufwies wirkte der ganze Rock auf mich plötzlich viel wertvoller. Und diese Erfahrung hat mich angefixt. Die Arbeit die ich in die Verarbeitung (natürlich nicht nur) der Innenseite stecke kehrt jedes Mal wenn ich das fertige Stück in die Hand nehme als kleines Glück zurück und zahlt sich zigfach aus.

5 Gedanken zu „Sashiko : Going Kimono – Teil 11

  1. dass du dir diese arbeit machst, finde ich nicht verwunderlich. ich mag das genauso. unetrscheidet sich dann sehr angenehm von klamotten von der stange. und kleine details, die nicht jeder sofort sieht, sind sowieso toll. als ich zb für meine cheshire-cat-tasche dieses teetassenfutter ( http://cumshot-clothing.de/fotos/grika4.jpg ) gefunden habe – war mir der preis völlig egal. ich war seelig.

    das stickmotiv gefällt mir. passt schön zu dem schlichten stoff und den akkuraten faltungen und komplizierten abnäherkonstruktionen.

  2. Wow die Stickerei ist toll, ich glaube da muss ich mir mal die Muster anschauen.
    Die Idee mit dem grauen und dkl. roten Stickgarn find ich super.
    Ich finde auch nichts schlimmer als unschöne Innenleben von Kleidungsstücken, nach dem Motto „Außen hui, innen pfui..“. Besonders bei Nähten bin ich nörgelig (ich hab noch keine Overlock).
    Dank dir hab ich jetzt die zündende Idee für die Passe meiner Hose. Die erste Idee war etwas hinein zu drucken, doch jetzt könnte man auch ein nettes Muster hinein sticken.

    Schönen Sonntag
    Letty

  3. Ich bin immer begeisterter! Das grafische Muster passt hervorragend zu dem doch sehr geometrischen Schnitt des Kleides. Und ich liebe kleine Innen-Geheimnisse. Meine aktuelle Jeansjacke habe ich mir vor allem gekauft, weil die Innennähte mit kariertem Band eingefasst sind. Wunderbar! Sieht außer mir zwar keiner, aber das macht ja nichts, ich weiß es – das reicht.

    Grau und dunkelrot hört sich als Kombi sehr gut an, sehr edel.
    Äh und warum in aller Welt soll das Projekt langweilig sein? Es ist so ziemlich das komplizierteste, was ich bisher gesehen habe (jedenfalls, wenn man so wenig Ahnung von Schnitten, Schnittänderungen und Verarbeitung hat wie ich..). Ich finde es einfach sehr beeindruckend.

    Danke auch fürs Wieder-was-dazulernen – jetzt weiß ich also, was ein Sashiko ist :).

    *Laber-rhabarber-Ende*

  4. Ich liebe Details an Kleidungsstücken ebenso wie versteckte Details an der Innenseite…die sieht nur, wer sie anzieht oder auszieht ^^ Und genauso wie Letty find ich „Außen hui, innen hui“ für mich wichtig.

    Das Stickmotiv ist nicht mein Fall, aber es passt echt gut zum Kleid.

  5. Ich muss mich den Anderen anschließen: Ich finde solche „Geheimnisse“ auch ganz toll! Ich mag es auch versteckt irgendwo etwas anzubringen, nur für mich – das ist doch eigentlich genau dass gleiche Prinzip warum man einen kleinen Fehler doch nochmal neu macht.
    Meine Freunde fragen mich oft: „Warum trennst du das nochmal auf, das sieht doch eh niemand außer dir?“ – Eben. ICH sehe es und es kommt ja auf mich an, wenn ich etwas für mich selber nähe.

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