Kein Beleg für diese These : Going Kimono – Teil 6

Ich war mal wieder extrem unmotiviert als es darum ging, den Schnitt auf den Stoff zu übertragen. Diesmal halfen noch nicht mal die Gelstifte. ;) Aber wer sehen will wie das als Kleid wirkt muss auch ein Kleid aufzeichnen. Hilft ja alles nichts. Wenn man dann ein mal anfängt gehts ja eigentlich auch. Diesmal habe ich mein Bettlaken im Wohnzimmer ausgebreitet wo etwas mehr Platz ist. Die Teile gingen gerade so raus, nur für die Blenden muss ich ein anderes Stück Stoff nehmen. Aber wenn ich mich recht erinnere habe ich noch den Rest eines zweiten Laken.

Bis jetzt habe ich aber schon mal die übrigen 7 Teile zugeschnitten und angefangen zusammenzusetzen, soweit nur die Vorderteile. Damit ich mir das endlich mal für das „richtige“ Kleid merken kann habe ich Fotos vom Brustabnäher gemacht. Wer mal sehen will was das für eine tolle Konstruktion ist, kann hier zuschauen:

Ich verspreche nicht, dass das „original“ ist, aber so hat es nach vielen Versuchen bei mir am besten geklappt.

Zuerst werden die kurzen Linien die mit A markiert sind aufeinandergesteckt. Dabei an der Kante beginnen. Die Linien sind nicht gleich lang, aber das kümmert jetzt erst mal nicht. Verlängert man die so entstandene Falte rüber auf die andere Seite, trifft sie am Punkt (nicht dem Strich!) Y auf (siehe Pfeil). Ich habe die untere Kante mal zur besseren Übersicht weggeklappt.
Brustabnäher

Genäht wird von der im Bild sichtbaren Seite und zwar bis zum Ende der Linie. Das sieht dann so aus wie im linken Bild. Im rechten Bild habe ich die Falte nach unten geklappt um zu zeigen dass die Naht nicht bis zum Ende der Linie reicht. Eigentlich soll sie aber so liegen wie links.
Brustabnäher Brustabnäher

Dann wird die Spitze mit der langen Linie nach unten auf die andere lange Linie gefaltet, so dass die kleinen Markierungen (Pfeil) aufeinandertreffen. Die Linien passen nicht genau, das ist aber unerheblich.
Brustabnäher

Genäht wird von der Innenseite, entlang der Linie die mit der schon vorhandenen Naht zusammentrifft. Von der Rückseite (rechtes Bild) sieht man dass die Naht nicht wirklich auf der Linie liegt.
Brustabnäher Brustabnäher

Entlang dieser zuletzt gemachten Naht wird die Spitze dann “halbiert” und auf die Kante gefaltet. Das geht genau auf. Im Armausschnitt bildet sich die Falte quasi von allein, hier liegt Punkt (nicht Strich!) C genau im Faltenknick (siehe Pfeil). Dass es dort so einen Versatz in der Kante gibt könnte an meiner Größenänderung liegen, kann ich jetzt nicht beschwören.
Brustabnäher

Zum Schluß die Konstruktion durch Heften auf der Nahtzugabe sichern. Wenn man sich die Innenseite ansieht erkennt man dass der mit „MO DIMA DAV“ (oder so) markierte Punkt genau auf einer Falte zu liegen kommt (siehe Pfeil). Ich nehme das als gutes Zeichen. :D
Brustabnäher

Damit ist das Vorderteil soweit fertig. Die Falten im Rückenteil und den ganzen anderen Kram mache ich später.

 

Was mir sonst noch ein- und aufgefallen ist:
Ich habe eine Theorie zu B! Da ist ja wie erwähnt auf dem Vorderteil eine Markierung mit einem B mit der ich nichts anfangen konnte (sieht man auch auf den Fotos oben… aufgezeichnet habe ich es nämlich trotzdem wieder :D). Eine waagerechte und eine senkrechte Linie. Die senkrechte könnte eine Anstoßmarkierung für den schmalen Extrastreifen am Vorderteil sein. Möglicherweise wird der dort befestigt damit er nicht wegklappt? Erscheint mir sinnvoll. Allerdings ist das bei den Showstudio-Fotos deutlich nicht der Fall. Auf dem Laufstegfoto kann man nichts erkennen. Kann also auch ganz anders sein.

Und dann der Saum. Im Original wird das Rückenteil mit einem breiten Beleg gearbeitet, das ist logisch, so ist die Innenseite der Falten auch nahtfrei und schön. Aber was ist mit den Vorderteilen? Da gibt es keinen Beleg im Schnittmuster. Die werden sicher nicht einfach normal gesäumt, das wäre sehr unelegant (auch wenn es in den Instructions so steht, aber denen ist eh nur mit Vorsicht zu begegnen). Auf den Showstudio-Fotos ist auch keine entsprechende Naht zu sehen. Also doch ein Beleg? Jedenfalls stößt die obere Kantes des Rückenteil-Belegs etwa dort an wo die waagerechte B-Linie liegt. Verdächtig. Da ist doch was im Busch?

Wie ich das bei meinem Kleid mache ist noch fraglich. Erst muss ich sehen wie das mit den Falten im Rockteil wirkt. Mir sind aber soweit schon drei Möglichkeiten eingefallen:

  1. Rockteil komplett füttern
    + : Alles sauber gesäumt
    – : Rockteil wird schwerer, beeinträchtigt evtl den Fall, und müsste man dann nicht besser gleich das ganze Ding füttern?
  2. Beleg rundum
    + : Saubere Verarbeitung etwa entsprechend dem Original
    – : Unsichtbare Stiche könnten sich trotzdem abzeichnen, beeinträchtigt evtl den Fall
  3. Nahtband
    + : Keine zusätzlichen Stoffmengen, ordentlich, aber sichtbar in den Falten, kann ein optisches Highlight sein
    – : Sichtbare Naht außen, kann auch die Optik stören

 

Und zum Schluß noch ein Bonbon, das ich beim weiteren Rumkramen im Netz gefunden habe:
In der (digitalen) Ausgabe von Elle, September 2008 ist ein Interview mit Alexander McQueen drin. Gefragt „If you could come back as a dress, which one would it be?“ antwortet er „My kimono dress from fall ’03“. Und es ist sogar abgebildet. :D

3 Gedanken zu „Kein Beleg für diese These : Going Kimono – Teil 6

  1. Jetzt weiss ich wieder warum ich keine Schnitte aus der Haute Couture verarbeite und bei meinen „Mittelalter Einfacher Schnitt“ Sachen bleibe….
    Boahh ist das Kompliziert ..da hätte ich ja a.) keinen Bock drauf und b.) wäre ich spätestens jetzt verloren gewesen ,wenn um die Änderungen geht …Hammer

    Schick machs Du das :-)

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