Zerschnittelt : Going Kimono – Teil 5

Das Probestück hat mir viel segensreiche Erkenntnis beschert, nun aber mal Butter bei die Fische. Der Segen muss auch noch auf den Schnitt übertragen werden.
Mir geht es dabei um die Größenanpassung und um die Verlängerung zum Kleid. Üblicherweise macht man Probeteile ja eher um die Passform zu optimieren, aber die ist hier durch den lockeren Schnitt eh nicht so kritisch, deswegen ändere ich da auch nichts (vielleicht wenn es sich beim zweiten Probeteil als nötig erweist… was ich bezweifel).

Okay, das wird jetzt vielleicht etwas technisch, aber durchaus hilfreich für alle die den Schnitt auch mal umsetzen wollen oder sich für meine Methode Schnitte zu verändern interessieren.

Größenanpassung:
Ich habe mir überlegt ungefähr 8 cm an der Taille dazuzugeben. Das sind 2 Kleidergrößen, was etwa hinkommt. Man sollte sich da nicht auf die Puppe oder Messungen am Schnitt verlassen sondern das wirklich mal anziehen um zu sehen wie viel fehlt.
Bei der einzigen Review zu dem Schnitt (kann man nur lesen wenn man eingeloggt ist) auf patternreview.com hat die Autorin geschrieben, dass die einzige Möglichkeit die Größe anzupassen über die Tiefe der Falten im Rückenteil wäre. Uh-oh! Da bin ich entschieden anderer Meinung! Die Falten würde ich nur anfummeln wenn es eine wirklich gravierende Größenänderung wäre. Und dann würde ich auch nicht die Tiefe verändern sondern das ganze Teil „auseinanderziehen“ und proportional verbreitern. Aber gut, habe ich hier eh nicht gemacht.
Meine Änderungen passieren an zwei Stellen: Zum einen wird das Mittelstück im Rücken 2 cm breiter. Da habe ich lange drüber nachgedacht. Einfach im Stoffbruch 1 cm dazugeben wäre die naheliegende Methode. Aber da das Teil noch gefaltet wird und die untergefalteten Seiten mittig wieder zusammentreffen (und das auch weiterhin sollen weil sie so die Breite der Falte fixieren) musste ich schlussendlich an 3 Stellen was ändern.
Hier mal im Querschnitt, was ich meine:
Schema der Änderungen
(Die roten Zahlen sind meine Änderungen in Millimetern)

So wird auch der Halsausschnitt hinten 2 cm breiter, das muss beim „Kragen“ (also der Blende) entsprechend berücksichtigt werden.

Die andere Änderung ist einfacher, da habe ich links und rechts von den Falten einen Schnitt von der Schulter bis zum Saum gemacht (sowohl im Rücken- als auch im Vorderteil). Ich wollte da je 1,5 cm dazugeben. So wären auch die Schultern breiter geworden, was aber nicht sollte. Also habe ich den Schnitt nur am Saum auf 1,5 cm geöffnet und an der Schulter geschlossen gelassen. Dadurch bleibt der Schulterabnäher unverändert, falls ich den wirklich verwende, was noch nicht entschieden ist.
Warum habe ich hier nicht einfach die Seitennähte nach außen verschoben, also quasi einen Schnitt vom Armausschnitt bis zum Saum gemacht? Weil dann die Armausschnitte weiter geworden wären, was ich auch vermeiden wollte. Die bleiben bei meiner jetzigen Methode unverändert. Man hätte natürlich den Schnitt wieder nur am Saum „aufziehen“ können und den Armausschnitt intakt gelassen, aber ich habe den Verdacht, dass sich die zusätzliche Weite so schöner verteilt.

Übersicht aller Größenänderungen:
Schema der Änderungen

Um den Papierschnitt möglichst einfach zu ändern habe ich die roten Linien entsprechend dort eingezeichnet (ein langes Metalllineal ist unverzichtbar für solche Aktionen). Dann habe ich auf ein anderes Papier zwei Linien in der gleichen Länge und im Abstand von 1 bzw 1,5 cm gezeichnet. Dann habe ich den Papierschnitt auseinandergeschnitten und ihn mit der einen Schnittkante auf die erste Linie geklebt. Die andere Kante dann entsprechend auf die zweite Linie oder wie im Fall der 1,5 cm-Änderungen keilförmig, so dass die Schulterecken zusammenstoßen und die Saumecke wieder auf 1,5 ankommt.

Änderungen am Papierschnitt
Hier sieht man links den keilförmigen und rechts einen gleichmäßig breiten Streifen. Ich habe alles mit viel Klebeband gesichert weil ich den Schnitt nicht noch mal abmalen will.

Längenanpassung:
Mit dem nun angepassten Schnitt habe ich mich an die Längenanpassung gemacht. Ich hatte ja an der Puppe an verschiedenen Stellen die nötige zusätzliche Länge in etwa abgemessen. Die Schnittteile habe ich dann also mit der Unterkante wieder auf ein größeres Stück Papier geklebt und die Seiten entsprechend verlängert. Beim Rückenteil habe ich auch an den „Zipfeln“ (da wo im Schnitt irgendwas mit DIETRO steht) die Linie verlängert. Dann nur die neue Saumlinie einzeichnen und aufs beste hoffen. Ich habe das mit der Länge erst mal auf gut Glück gemacht, das wird dann am Probeteil zurechtgekürzt (oder verlängert) und entsprechend zurückübertragen. Gleiches gilt für die Falten im Rockteil, da bin ich mir noch nicht sicher ob das überhaupt so hinhaut wie ich es mir denke. Aber genau dafür macht man ja ein Probeteil.
Schema der Änderungen
Um später den Kleidersaum nicht ganz so zipfelig wie im Original zu haben habe ich verschiedene Stellen verschieden verlängert, wie man sieht. Ob die Rechnung aufgeht?

Und das ist das Ergebnis dieser ganzen Aktion: Meine veränderten Schnittteile
Papierschnitt
Von links nach rechts: Einsatzstreifen vorne, Vorderteil, Rückenteil, rückwärtiges Mittelstück (das einzige für das ich einen neuen Schnitt gezeichnet habe, statt den originalen zu zerschneiden)
Die Blenden sind simple Rechtecke, deswegen habe ich dafür keine Papierschnitte gemacht.
Die Ärmel sind nicht mit im Bild, die habe ich nicht geändert. Obwohl ich überlege sie vielleicht etwas schmaler zu machen. Aber erst mal sehen wie es insgesamt mit Rockteil wirkt. Immerhin ist das nur eine einfache Naht, das könnte man sogar am fertigen Teil noch machen.

 
Beim nun folgenden Probeteil werde ich auch die Verarbeitung etwas verbessern. Ich habe bisher nur alles an den richtigen Stellen zusammengenäht, aber nicht darauf geachtet wo die Nahtzugaben hin müssen und keine Säume gemacht. Vielleicht kann ich das jetzt mal etwas ordentlicher hinkriegen. Denn auch das ist ein Test für das richtige Stück und trägt zum allgemeinen Look-and-Feel bei. Auch wenn ich mal wieder üüüüüberhaupt keine Meinung habe den ganzen Kram jetzt noch mal auf Stoff zu übertragen und auszuschneiden. Gähn.

 
Mein principle black metal masterplan* sieht jetzt also wie folgt aus:

  1. So viele Informationen wie möglich sammeln Check
  2. Schnitt in Miniatur ausdrucken und damit rumfummeln Check
  3. Schnitt in Originalgröße ausdrucken Check
  4. Materialien besorgen Check
  5. Probeteil ohne Änderungen nähen Check
  6. Änderungen festlegen und Schnitt anpassen Check
  7. Noch ein angepasstes Probeteil nähen und Änderungen überprüfen/überarbeiten
  8. Richtiges Teil nähen

 
*Nervt es euch nicht eigentlich, dass ich dauernd dumme Sprüche mache ohne zu erklären auf was ich anspiele? „The principle black metal masterplan“ ist jedenfalls eine Textzeile aus einem Cradle Of Filth Song. Oder ist das jetzt öde wenn ichs entmystifiziere? :D

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