Bunt ist das Dasein : Going Kimono – Teil 3

Jetzt geht es endlich mal um Stoff. Ich hatte ja vom Markt in Berlin ein schönes graues Leinen mitgebracht.

Leinen, hier noch mal mit Projektwasserzeichen

Für die Probeteile nehme ich aber erstmal ein ausrangiertes Bettlaken. Damit die ungeliebte Arbeit des Übertragen der Schnittteile auf den Stoff etwas abwechslungsreicher wird, nehme ich für jedes Teil eine andere Farbe *kinder* :D. Netterweise hat mein Freund mir neulich einen ganzen Satz Gelstifte mitgebracht, die verwende ich dafür am liebsten.

Ein bunter Strauss Gelstifte

Woran ich übrigens erkannt habe, dass die Nahtzugaben schon enthalten sind: Ich habe früher nur Schnitte ohne NZ verwendet, ich bin ein Burda-Jünger. Irgendwann hatte ich mit der Ruby Shorts von burdastyle dann den ersten Schnitt mit NZ. Da habe ich mich erst etwas dumm angestellt, aber irgendwann dann gemerkt, dass das gar nicht so unpraktisch ist. Obwohl mir die Nahtlinie normalerweise das heiligste ist. Beide Methoden haben ihre Vor- und Nachteile.

Die verräterische Ecke

Jedenfalls, ein typisches Element habe ich wiedererkannt. Die „Ecke“ an der Unterkante des Armausschnitts. Das wäre für einen Schnitt ungewöhnlich und deutet auf Nahtzugabe hin. Und die gerade Partie der Ecke ist genau 1 cm breit, das ist schon sehr verräterisch. Aber ich gebe zu, wenn ich vorher nicht schon solche Schnitte verwendet hätte wäre ich blindlings in die Falle getappt und hätte das Ding ein paar cm zu groß gemacht.
Vielleicht nicht das schlimmste, da hier die Nähte nicht an entscheidenden Stellen die Passform gewährleisten (das machen die Falten und Abnäher) aber unangenehme Überraschungen hätte es sicher trotzdem gegeben.
In der ganzen Euphorie um die Nahtzugaben habe ich dann fast vergessen an den Abnähern die ich als Schulternähte aufgeschnitten habe welche anzufügen. Fast. ;)

Die Schulternähte übrigens, über die hatte ich ja letztes Mal gerätselt. Im Forum hat nyoba dann den entscheidenden Tipp gehabt (für genau solchen Input ist ein WIP-Thread perfekt :)). Die Abnäher werden gar nicht zugenäht sondern nur gefaltet. Sieht man auch auf den Fotos bei Showstudio. So ist es eine Mischung aus westlich und traditionell. Find ich wunderbar, ich überlege jetzt ob ich es schaffen kann das bei meinem Kleid auch so aus dem Stoff zu kriegen. Gut dass ich 4 Meter gekauft habe :)

Es bleibt viel zu tun
Im Bild: Der Brustabnäher. Oder eher die Brustabnäherfaltenersatzkonstruktion.

Irgendwann war das ganze Ding dann auch aufgemalt und ausgeschnitten, dann konnte ich meine Neugier auf die Konstruktion nicht zurückhalten und habe schon mal mit ein paar Handstichen angefangen.
Dabei habe ich als erstes deppenmäßig mit halbem Hirn beim Fernsehen die Nahtzugaben auf die falsche Seite genäht. Aber zum Glück ist das nur ein Probeteil und für den weiteren Verlauf der Geschichte ist diese Kleinigkeit egal.

Wie sich bald herausstellte ist die Konstruktion alles andere als trivial. Bügeln hilft wahrscheinlich. Ein paar Angaben sind nicht eindeutig (in welche Richtung müssen die Falten für den vorderen Abnäher gelegt werden?), aber dann muss man eben probieren und improvisieren. Und auf den Fotos von anderen Leuten gucken wie die das gelöst haben. Es wird relativ schnell klar, dass die Markierungen hier nicht so durchgängig deppensicher sind wie bei Burda. Die Linien die aufeinander treffen sollen haben nicht die gleiche Länge, die Punkte nicht den 100% exakten richtigen Abstand. Oft gibt es mehrere Varianten wie man etwas wo annähen kann oder wie weit. Ich denke da spielen Millimeter später keine Rolle, aber etwas Mut braucht es schon um auch mal was einfach festzulegen.
Nachdem ich die Instructions für das Vorder- und Rückenteil durchgearbeitet hatte waren im Rückenteil noch einige Markierungen unbeachtet. Manche treffen automatisch aufeinander und müssen deswegen vielleicht nicht festgenäht werden (Punkt X) aber eine Angabe fehlt tatsächlich. Punkt L muss genauso befestigt werden wie zuvor bei S beschreiben. Sonst ist die eine Falte unten zu breit. Wenn man sich die Fotos anguckt, sieht man, dass das einige Leute nicht gemacht haben. Zu Beispiel ist bei Bild 2 in der Gallery zu sehen dass die Dreiecke unten links und rechts vom „Mittelstreifen“ viel breiter sind als auf diesem Foto aus den „offiziellen“ von Showstudio. Dadurch kommen auch die „Schwalbenschwänzchen“ mittig nicht zusammen.
Es ist also bitter nötig mitzudenken und aufzupassen. Und im Zweifel muss man dann halt noch mal trennen und eine andere Variante probieren. Sind ja nur Heftstiche. Ich habe auch einige Anläufe gebraucht bis ich verstanden hatte, dass der Abnäher an Punkt M nach *außen* genäht wird, also links auf links.

Wie durch ein kleines Wunder fügen sich aber dann die Stoffmengen zu einem sinnvollen Ganzen. Ich staune nicht schlecht als in etwa die Konfiguration entsteht die ich gezeichnet hatte.

Das erste Teil ist also geheftet, für die andere Hälfte des Rückenteils habe ich keine Nerven mehr. Das mache ich nächstes Mal.

Die Liste sieht jetzt so aus:

  1. So viele Informationen wie möglich sammeln Check
  2. Schnitt in Miniatur ausdrucken und damit rumfummeln Check
  3. Schnitt in Originalgröße ausdrucken Check
  4. Materialien besorgen Check
  5. Probeteil ohne Änderungen nähen Bin dabei
  6. Änderungen festlegen und Schnitt anpassen
  7. Ggf noch ein angepasstes Probeteil nähen und Änderungen überprüfen/überarbeiten
  8. Richtiges Teil nähen

Aber eins wollte ich noch überprüfen. Aus welcher Alexander McQueen Kollektion ist das überhaupt? Meine Recherche auf style.com ergibt Herbst 2003, ich habs sogar auf Anhieb gefunden. Die Kollektion habe ich irgendwann schon mal angeguckt, da kamen mir einige Sachen bekannt vor. Sind schon „spektakulärere“ Stücke bei, aber wenn es sogar so ein unauffälliges schwarzes Blüschen derart in sich hat, also Hut ab! Da ist es, allerdings sehr knitterig.

2 Gedanken zu „Bunt ist das Dasein : Going Kimono – Teil 3

  1. Wow, die Kollektion von Alexander McQueen erinnert mich sehr an den Film von Alexander dem Großen Hat was aus allen möglichen Gegenden Asiens und einige militärische Einflüsse. Sehr tolle Ideen sind da dabei.
    Aber das Blüschen würd ich mir nicht antun, sieht ja total kompliziert aus und hört sich auch so an. Aber ja, du bist ja da schon fortgeschrittener, ich bin echt gespannt!

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