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Das war knapp


Musik
Twin Peaks Soundtrack
Stimmung
This is a damn fine cup of coffee

Anders als beim Oberteil, wo es viel um Probeteile und Anpassungen an den Körper ging, stand bei der Hose mehr die Mathematik im Vordergrund. Das erste Probeteil war schnell gemacht und brauchte nur minimale Änderungen, der Rest war Rechnerei und Papierkrieg. So viel Papierkrieg, dass ich zum Ende auf Zeitung ausweichen musste um den ganzen Schnitt aufzuzeichnen. Das Oberteilschnittmuster passte auf ein paar stabile Bögen Tonpapier (was es anwenderfreundlich und langlebig macht). Die Hose hat fast meine ganzen Vorräte an Schnittmusterpapier gefressen, dazu Packpapier und zuletzt eben zwei Seiten aus der Zeit. Die Veranstaltungshinweise für Hamburg, jetzt für immer auf dem Schnitt verewigt.

Hose

Auch der Zuschnitt für Beta 1.0 war nicht ohne. Ich hatte mir einen terrakottafarbenen Stoff in Leinenoptik ausgesucht. Der stammte irgendwann mal vom Maybachufer, lag aber schon so lange im Vorrat, dass ich zwischenzeitlich die verschiedensten Pläne dafür erdacht und verworfen hatte. Letztes Jahr hatte ich dann die Faxen dicke und habe für ein Patchworkprojekt ein Stück abgeschnitten. Und genau das Stück fehlte mir jetzt. Zum Haareraufen. Mit sehr viel Tetris, sehr wenig Nahtzugabe und einer zusätzlichen Naht (Saumstreifen) konnte ich dann tatsächlich alle Teile zuschneiden. Aber es war knapp.

Die Taschenbeutel und die Saumbesätze habe ich aus einem anderen Stoff geschnitten. Der ist etwas stabiler und gibt dem Saum einen guten Stand. Außerdem konnte ich mit dem extra angesetzten Saumstreifen auf eine sichtbare Steppnaht dort verzichten (die Innenseite habe ich von Hand angenäht). Alles in allem haben sich die stoffbedingten Anpassungen also als durchaus glücklich erwiesen.

Hose

Da mein Probeteil um Stoff zu sparen immer nur halblang war und ich außerdem nach der letzten Schnittanpassung auf einen Testlauf verzichtet und direkt den Stoff angeschnitten hatte, war ich ein wenig angespannt, als ich die Hose das erste Mal anprobiert habe. Hat alles wie gedacht funktioniert? Gefällt mir die Saumweite? Wie wirkt das überhaupt in voller Länge? Zum Glück waren die Bedenken unbegründet. Die Hose sitzt wie erwartet und die Saumweite ist toll.

Einzig die Taschen könnten ein wenig größer sein. Sie sind nach normalen Standards völlig okay, aber ich hätte gerne so richtig tiefe, in denen man die Hände komplett vergraben kann. Und der Stoff ist etwas kratzig. Ja, leider. Nach dem ganzen Drama beim Zuschnitt jetzt das. Er fällt toll, knittert kaum und die Farbe finde ich auch prima. Aber er ist etwas rau. Vielleicht gibt sich das ja noch beim Waschen.

Generell bin ich mit dem Hosenschnitt aber sehr zufrieden. Sitzt wirklich gut, Weite und Länge sind toll, bis auf vielleicht eine Winzigkeit am Bund habe ich keine Änderungswünsche. Und der Alltagstest hat gezeigt, dass sich diese Farbe toll kombinieren lässt und die Hose sowohl mit weit geschnittenen Oberteilen (reingesteckt) als auch mit schmalen (drüber getragen) gut funktioniert.

Hose

Die extraweiten Hosenbeine sind neu für mich, aber ich mag sie sehr. Ich denke dabei an Hakama und Samurai, technisch gesehen ist das aber ein Hosenrock. Und ich weiß gar nicht warum mich diese Bezeichnung so abschreckt. Muss irgendwas mit der Mode meiner Kinder-/Jugendzeit zu tun haben. Wobei ich mich spontan an keine traumatischen Hosenröcke erinnern kann. Wird Zeit diese Abneigung zu überwinden. Say it loud, say it proud: Es ist ein Hosenrock!

4 Comments

  1. Tolle Hose für Samurai, fällt sehr schön. Das rot mit dem schlichten schwarzen Shirt schöne Kombi. Mit Bund wäre es ein klitzekleines Stück schöner, aber das ist eine reine Geschmackssache
    Grüße
    Stefan

  2. Klasse Schnitt und schöne Hose! Ich hab ja die Hosenröcke in meiner Jugend geliebt und letztens noch dran gedacht, daß ich mal wieder einen bräuchte (aber in kurz). :D Da würde mich sehr interessieren wie du die Schnittentwicklung bei so viel Weite angegangen bist.
    Liebe Grüße
    Janina

    • Netti Netti

      Jetzt habe ich fast vergessen dir zu antworten, sorry! Im Prinzip bin ich vorgegangen wie hier erklärt, nur dass ich nicht mit einem Rechteck, sondern mit einem Rockgrundschnitt angefangen habe. :)

  3. Hosenrock.. ich erinnere mich mit Schrecken an ein Ding aus meiner Kindheit. Diese Variante hier finde ich allerdings grandios! Ich mag die Weite, wie er fällt, den Hauch Asien – und die Farbe ist wahnsinnig toll. Hätt ich gar nicht vermutet.

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