Wintergemüse

Neulich ist mir aufgefallen, dass sich meine Sommer- und Wintergarderobe in einem wichtigen Punkt unterscheiden. Und ich meine nicht die Länge der Ärmel oder die Dicke der Jacken. Es gibt eine Sorte Hosen, die ich nur im Sommer trage. Und zwar sind das die lockeren Karottenhosen, oben weit unten schmal. Also zum Beispiel diese oder diese. Warum kommen die nur im Sommer vor? Weil die Stoffe alle recht dünn und luftig sind. Zu kalt bei Ostwind oder Minusgraden.

Logische Schlussfolgerung? Ich brauche eine Karottenhose aus warmem Material. Sollte eigentlich kein Problem sein. Es gibt tolle weiche Wollstoffe, die ideal für so einen Schnitt wären. Allerdings muss ich die Hose auch waschen können und sie darf definitiv nicht kratzen. Manchmal bin ich bei Wolle empfindlich. Also habe ich nach einem vergleichbaren Baumwollstoff gesucht und einen schönen Twill gefunden.

Hose

Den Stoff habe ich online gekauft und ihn ein bisschen falsch eingeschätzt. Ich hatte die Vorstellung einer weich fallenden Hose mit Bundfalten, sogar schon mit passendem Schnittmuster. Dann kam der Stoff an und war deutlich fester als erwartet. Sehr schön, aber für diesen Schnitt ungeeignet. Stellt sich raus, „weich“ kann in der Artikelbeschreibung auch eine weiche Oberfläche meinen. Nicht einen weichen Fall, wie ich gedacht hatte.

Twill

Also habe ich meine Pläne überarbeitet. Diese Burdahose ist obenrum nur moderat weit, kann also passend gemacht werden. Ich habe den Schnitt schon aus Leinen genäht und weiß, dass ich ihn mag. (Burda schlägt vor „leichte, weich fallende Hosenstoffe“ zu verwenden. Ähm. Davon ist dieser hier meilenweit entfernt. Aber wenn man weiß was man tut, kann man auf die Stoffempfehlung auch mal pfeifen.)

Hose

Ein paar Anpassungen habe ich gemacht, um dem Material Rechnung zu tragen. Statt des Jerseybunds gibt es einen schmalen Formbund und einen klassischen Hosenreißverschluss vorne. Die Mehrweite (wie gesagt, es ist nicht viel) ist in Abnähern (hinten) und Falten (vorne) untergebracht. Da ich die Leinenversion der Hose deutlich hüftiger trage als das bei Burda vorgesehen ist, habe ich den Schnitt entsprechend angepasst und die Leibhöhe verlängert bzw. den Schritt tiefer gesetzt (das kommt ja quasi aufs selbe raus). Und schließlich gibt es auf der Rückseite noch eine Leistentasche, damit dort auch was passiert.

Hose

Beim Arbeiten ist mir der Stoff richtig ans Herz gewachsen. Die weich aufgeraute Seite (bei mir außen) hat die Optik von Flanell, auf der anderen Seite kann man die schrägen Linien der Köperbindung deutlicher erkennen. Alles in allem ein sehr „maskuliner“ Stoff, der an klassische Herrenmode erinnert. Dazu passen die traditionellen Details wie Hosenverschluss, schmaler Bund und Leistentasche. Durch die lockere Schnittform mit den großen Taschen wird es trotzdem nicht zu streng.

Hose

Was mir bei diesem formstabilen Stoff zum ersten Mal richtig auffällt: Die Taschen sind mit Mehrweite konstruiert, so dass die Eingriffkante ein wenig absteht. Beim Modell aus Leinen geht das völlig unter, hier kommt der Effekt sehr schön zur Geltung. Die Hosenbeine knautschen in diesem Material auch ziemlich stark, gerade am Knie. Überhaupt ist die Optik ein bisschen zerknittert. Stört mich nicht, im Gegenteil, ich finde das gibt der Hose Charakter.

Zusammenfassung

Schnitt: Hose 102 aus Burda 07/2011
Änderungen: Leibhöhe, Formbund, Reißverschluss, Leistentasche…
Material: 1,5m Baumwolltwill

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.