Fallhöhe

Und der letzte Nachtrag von 2016:

Welches sind eigentlich eure 5 Lieblingskleidungsstücke? Gar nicht so leicht zu sagen, oder? Es gibt viele Sachen die ich richtig gerne mag, aber um die 5 aktuellen Lieblingsteile zu benennen müsste ich schon eine Weile nachdenken. Spontan fallen mir zwei, vielleicht drei ein. Diese Jeans wahrscheinlich, weil ich sie einfach so oft trage, sie zu allem passt und echt bequem ist. Und (stellvertretend für alle meine Lederjacken) diese Jacke, weil sie so cool ist und jedes Outfit aufwertet. Und dann ist da noch ein Kleid. Ein kariertes Hemdblusenkleid, das ich schon ziemlich lange besitze. Nicht selbst genäht, aber das ändert nichts an meiner Zuneigung. Es ist eins dieser Teile, die man anzieht wenn man einen komplizierten Tag vor sich hat und ein Outfit braucht, das einem ein gutes Gefühl gibt.

Kleid Original
Hier und hier auch schon auf Instagram gesichtet.

Logischerweise war meine Idee, das Kleid zu klonen um die Freude zu verdoppelt. Keine ganz leichte Aufgabe, weil die Ansprüche an den Nachbau schon vor dem ersten Stich enorm hoch sind. Aber zuversichtlich habe ich grauen Flanellstoff gekauft, der recht nahe an das Original kommt, von der Dicke und Flauschigkeit. Um auch dem Schnitt möglichst nahe zu kommen (ohne ihn komplett abzunehmen) habe ich ein paar entscheidende Maße übertragen (Weite an verschiedenen Stellen, Länge, Details wie Kragen und Taschen, etc.) um dann einen bereits zwei Mal erprobten und für gut befundenen Blusenschnitt entsprechend angepasst. Aus einer Bluse kann man gut ein Kleid machen. Wichtig war mir hier die Schulterpasse, die das Original auch hat.

Schnitt/Berechnung

Als der Schnitt fertig war, kam die Ernüchterung. Der Flanellstoff war in der Wäsche ziemlich eingelaufen und nun zu kurz um für das ganze Kleid zu reichen. Ich kaufe Stoff eher knapp, bisher hat das immer irgendwie gepasst. Aber hier musste ich die weiße Flagge hissen. Geht nicht. Die Frustration war groß. Ich hatte so eine deutliche Vorstellung von dem fertigen Teil in genau diesem Stoff, dass es schwer war, davon jetzt abzurücken.

Flanell
Hat nicht sollen sein. Bis irgendwann später, Flanell!

Da mir keine überzeugende Lösung einfiel, wie der Flanellstoff sich mit einem anderen Material kombinieren ließe, habe ich ihn erst mal weggepackt. Trotzdem wollte ich das Kleid noch haben/nähen. Also? Neuen Stoff gekauft. Kein Flanell diesmal, sondern Chambray – ein weicher Batist mit verschiedenfarbigen Kett- und Schussfäden (hier schwarz und weiß, woraus sich ein dunkles Grau ergibt).

Kleid

Mit viel Sorgfalt habe ich das Kleid dann genäht. Ein gemusterter Baumwollstoff kommt an ein paar Stellen als Kombipartner zum Einsatz, bleibt aber von außen unsichtbar. Innen ist alles mit Kappnähten und eingefassten Nahtzugaben verarbeitet, keine offene Kante in Sicht. Da habe ich mich so richtig ins Zeug gelegt. Der Chambray war gut zu verarbeiten, nur an den Kanten fusselt er schnell weg. An einem Ärmelschlitz ist mir der Stoff deswegen auch direkt ausgerissen, aber das konnte ich halbwegs unauffällig retten.

Kleid
Wie man eine Kappnaht und einen Seitenschlitz kombiniert habe ich hier gelernt.

Das Kleid war trotz Aufwand rechtzeitig vor Weihnachten fertig und kam mit nach Hause um Heiligabend seinen Auftritt zu haben. Als ich es dann siegessicher anziehe, der nächste Schreck. Der andere Ärmelschlitz reißt aus. Und an der Knopfleiste zieht sich auch eine Stelle unschön auf.

Schaden

Boah, war ich da bedient. So viel Arbeit gemacht und dann das. Die Kappnähte scheinen okay zu sein, aber überall dort wo die Nahtzugaben zurück geschnitten wurden oder von Natur aus knapp sind besteht die Gefahr, dass sich das Material auflöst. Trotz Bügeleinlage. Das ist so ärgerlich!

Ich habe das Kleid jetzt erst mal in die Waschmaschine gesteckt und werde darüber nachdenken wie ich es reparieren kann. Von den Schwierigkeiten mit dem Stoff abgesehen ist es wirklich schön geworden und ich würde es gerne tragen, habe aber Angst dass wieder irgendwo was kaputt geht.

Zusammenfassung

Schnitt: Bluse 120 aus Burda 06/2004
Änderungen: Zum Kleid verlängert, Details angepasst
Material: 2m Chambray, Rest Batist

Was habe ich gelernt? Locker gewebte Stoffe können mitunter heimtückisch sein. In Zukunft werde ich mehr darauf achten, wenn sich eine Schnittkante schnell auflöst. Und vielleicht das Kleid doch noch mal in Flanell versuchen. Irgendwann.

4 Kommentare

  1. Lianeeh

    So etwas ärgerliches! Da sitzt der Teufel wirklich in jedem Detail.

    Ich habe heute morgen (nach verschlafen, kalt draussen und der Kaffee leer, schlimmer wird’s eigentlich vor 8 Uhr nicht) zu einem meiner absoluten Lieblingsoutfits gegriffen: ein Chambray-shirt, deinem Kleid sehr ähnlich, ein weiches Jerseykleid (sieht gut aus und ist bequemer als jeder Schlafanzug…), dicke Strumpfhose und dicker Schal. Da wurde der Tag gleich ein bisschen besser. Ich bin immer wieder fasziniert davon, welchen Unterschied Kleidung machen kann.

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  2. Sehr schade, dass der Stoff nicht mitspielt! Das Kleid ist nämlich schön geworden.

    Ich hatte das auch schon, bei einem Rock, aber immerhin erst nach längerer Zeit und nicht sofort. Und bei einer gekauften Cordhose konnte ich die Rippen mit wenig Kraft auseinanderziehen und der Stoff zerfaserte dazwischen … manchmal hat man wohl nen Montagsstoff erwischt.

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  3. So einen blöden zweifarbigen Webstoff hatte ich auch schon mal. Man bezahlt die nette Optik mit ständiger Frustration. =/
    Trotzdem ist das Kleid echt schick geworden. Ich hoffe, dir fällt noch eine Notlösung dafür ein. .. wobei ich ja glaube, dass außer dir die weißen Stellen gar niemand sehen wird.

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  4. Oh nein, wie ärgerlich! Ich hoffe, du findest eine Möglichkeit, das Kleid zu retten. Ich teile zwar Centis Annahme, dass es außer dir wahrscheinlich niemandem auffällt, aber es klingt ja schon ein bisschen, als könne sich das weiter auflösen.

    Liebe Grüße,
    Sabrina

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