Pläne und Probeteile

Wie motiviert ihr euch, wenn ihr nur theoretisch Bock aufs Nähen habt? Kennt ihr das überhaupt? Dieses Gefühl, dass man sich total gerne an die Nähmaschine setzen würde um irgendwas tolles zu zaubern, aber wenn man dann konkret über Projekte oder Arbeitsschritte nachdenkt, stellt man fest, dass man genau darauf jetzt doch keine Lust hat und geht erst mal mit dem Hund raus. Passiert mir in letzter Zeit oft. Nur dass ich keinen Hund habe. ;)

Ich habe also nach Projekten gesucht, die mich so weit begeistern, dass ich diese anfängliche Blockade überwinden kann und schwupps mittendrin bin, wo dann alles möglichst geschmiert läuft. Also theoretisch. Im Geiste bin ich alle mehr oder weniger konkret geplanten Sachen durchgegangen. Alles schön und gut, aber nichts funkte so richtig. Dann fiel mir ein, dass mir das koordinierte Nähen eines kompletten Outfits im Sommer diesen Jahres total Spaß gemacht hat. Sowas wollte ich noch mal machen. Und damit war irgendwie die Initialzündung da.

Als Startpunkt habe ich einen Jerseystoff genommen, den ich in ein sommerliches Top verwandeln will. Das macht im Herbst weniger Spaß, weil ich es da nicht gleich anziehen kann. Aber in Kombination mit einer ebenfalls geplanten Strickjacke sieht das schon ganz anders aus. Gemeinsam entwickelten sich beide Ideen dann noch weiter, bis ich ein komplettes herbsttaugliches Outfit aus Jacke, Top und Leggings hatte.

Zeichnung
Soda erinnert der Entwurf an Cyberpunk. Ich erkenne wie sie darauf kommt. Das war zwar nicht was ich im Hinterkopf hatte, aber es geht durchaus in die Richtung.

  • Die Leggings habe ich bereits, sind selbstgenäht, das lasse ich gelten.
  • Das Top soll aus Jersey in Knallgrün werden. Ein Tanktop mit abgerundetem Saum, alles etwas länger und lockerer. Damit es nicht ganz so langweilig ist, will ich noch irgendwas einfaches geometrisches in Schwarz applizieren, also einen Streifen oder sowas, mal sehen.
  • Und die Jacke wird aus einem schwarzen Strickstoff mit Blenden aus Jersey oder Webstoff. Ganz schlicht und gradlinig, aber mit Kapuze und Taschen.

So weit der Plan. Ich denke, dass sowohl die Farben (komplett Schwarz mit leuchtendem Grün) als auch die Oberflächen (Jersey, Strick, Lack, evtl. Webstoff) toll zusammenspielen werden. Und alle Teile lassen sich auch anderweitig kombinieren. Perfekte Bedingungen für ein Outfit also. Dazu kommt, dass ich alle Stoffe schon hier habe. (Jaaaah! Stoffbilanz! :D)

Stoffe

Um es außerdem zu einer gewissen Herausforderung zu machen und nebenher noch was zu lernen, will ich die Schnitte selber machen. So ein simples Tanktop kriege ich hin, das ist ja mehr oder weniger wie das Oberteil vom Chiffon-Kleid. Was ich aber noch nie gemacht habe, ist etwas mit Ärmeln zu konstruieren. Da betrete ich Neuland und bin gespannt wie komplex das wird, auf jeden Fall wird das eine oder andere Probeteil angebracht sein.

(In dem Zusammenhang, weil ich das so oft gefragt werde: Das Buch, das ich dafür benutze ist Schnittkonstruktion für Damenmode. Ich kann nur Gutes darüber sagen, es ist professionell aber auch für Laien verständlich und ziemlich umfangreich.)

Erster Schritt zum Erfolg: Ich habe noch mal einen Grundschnitt für ein Oberteil gezeichnet, weil ich den beim letzten Mal nicht aufgehoben habe (Dumpfbacke lässt grüßen). Im erwähnten Buch sind zwei verschieden Grundschnitte, ein taillierter (mit Abnähern) und ein legerer (ohne). Den taillierten verwende ich für das Top, da eliminiere ich aber alles außer dem Brustabnäher. Man kann sicher argumentieren, dass bei einem Jerseytop – zumal einem lockeren – die Abnäher nicht notwendig sind, und in vielen Fällen stimmt das sicher auch. Ich persönlich finde die Passform mit aber schöner, und dieser grüne Jersey ist auch nicht besonders elastisch, also ist das vielleicht keine schlechte Idee.

Schnitt

Um meinen überarbeiteten Schnitt dann mal zu testen, habe ich ein paar Jerseyreste rausgekramt und ein einfaches Top genäht. Die Vorderseite besteht aus der Vorderseite eines grau-schwarz gemusterten T-Shirts, das mal meinem Mann gehört hat (die Rückseite davon habe ich hier mal als Deko verwendet). Für den Rücken habe ich einen schwarzen Jerseystoff genommen. Ich mag die Kombi von zwei verschiedenen Stoffen echt gerne, auch wenn hier die Qualitäten ziemlich unterschiedlich sind. Der Jersey ist deutlich dünner und elastischer als das T-Shirt, das ist nicht ideal aber naja.

Probeteil

Was mir an dem Probetop auch noch gefällt (außer, dass es auf Anhieb gut gepasst hat) sind die Säume. Ich habe mal eine andere Methode ausprobiert und die Kanten einfach ein Mal umgefaltet und mit der Zwillingsnadel abgesteppt. Das hat überraschend gut funktioniert, selbst bei dem dünnen schwarzen Jersey. Die Nähte sind auch elastisch und stabil, das hat bisher nicht immer so gut geklappt. Ich habe den Verdacht, dass es die Oberfadenspannung ist. Die muss man eher locker lassen, so wird der Faden ein wenig auf die Rückseite „durchgezogen“ und die Naht kann sich besser mitdehnen.

Naht
Naht

Ein Mal hat die Maschine versucht, den dünnen Jersey in ihren gefräßigen Schlund zu ziehen und zu zerkauen, aber das konnte ich noch (ohne Zahnabdrücke ;)) retten. Der Trick gegen solche Übergriffe ist, die Fäden am Nahtanfang nach hinten zu ziehen und festzuhalten, bis ein paar Stiche gemacht sind. Weiß vielleicht schon jeder, aber ich erwähne das trotzdem mal, weil ich es selber auch oft vergesse.

Probeteil

Wie man sieht ist die Rückseite etwas länger als die Vorderseite. Das hat sich eher zufällig ergeben (hinten ist die Länge meines Schnittmusters, vorne war das T-Shirt etwas zu kurz), mag ich aber gerne, das ist irgendwie beschwingt. Um den Schwung noch etwas mehr zu unterstützen, habe ich außerdem kleine Seitenschlitze gemacht.

Probeteil

Also: Schnitt getestet und für gut befunden. Dazu noch ein neues Top aus Resten genäht. Ich würde sagen: Läuft. :D

8 Gedanken zu „Pläne und Probeteile

  1. Oh ja, mir geht es ständig so! Gedanklich „Ja, das muss ich auch endlich mal nähen.“ oder total nählustig (Motivation ist das ja irgendwie nicht…) und dann „Also eigentlich bin ich jetzt zu faul, das alles rauszuholen… dann muss ich es ausbreiten und zuschneiden und alles, das mag ich eh nicht, und dann jetzt noch anfangen zu nähen… nee, irgendwie hab ich doch keine Lust mehr.“
    Aber momentan habe ich eigentlich leider ständig zu nichts wirklich Lust, außer vielleicht auf das, wozu mir das Material fehlt.

    Ich finde jedenfalls vor allem das Muster vom neuen Top toll, das gefällt mir richtig gut und ich bin gespannt, die das Cyberpunkoutfit hinterher aussehen wird. ;)

  2. Mich hat die Zeichnung auch sehr an die alten N&S-Zeichnungen erinnert. Damals, Seraph Rock und so. Hat sogar die gleiche Armhaltung, wenn auch spiegelverkehrt und ohne Goggles-Kopf. Bin gespannt, wie das wird :)

  3. ir schwirren seit Monaten einige Ideen durch den Kopf, aber zuletzt war Nähen für mich immer so frustbelastet, dass ich momentan nichts mache. Nicht die beste Lösung….

    Zu deinem projekt: schwarz und grün passt immer und bestens zusammen! Ich bin auf das Endresultat gespannt :)

  4. Oh, ein schwarz-grün-Projekt. Wie Teli schon sagte, ich musste sofort an das alte Page-Design denken, liegt aber vielleicht daran, dass ich erst vor wenigen Tagen nochmal recht intensiv auf der Page gestöbert habe (und jetzt unbedingt einen Lady-Jaqueline-Samtrock will^^).
    Die Motivationsschwierigkeiten kenn ich auch. Und das schlimme ist, dass man dadurch so viel Zeit verliert. Angefangene Projekte liegen lassen, unmotiviert vor dem Stofflager rumlungern und dann ist der freie Nachmittag schon fast wieder rum. Ich hab mir vorgenommen, mich einfach kräftig in den Hintern zu treten, denn wenn ich einmal angefangen hab, läuft es meist doch von alleine. Aber die Idee mit den Komplettoutfits ist auch schön!
    Bin gespannt auf deine Berichte über die Schnitterstellung, das sind ja bisher alles böhmische Dörfer für mich.

  5. Pingback: Idiotenprojekt

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